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Heute vor ... 25. August: Der Retter von Paris

«Den schwersten Auftrag, den ich je durchgeführt habe – allerdings dann mit größter Konsequenz durchgeführt habe –, ist die Liquidation der Juden.» Derselbe Mann, von dem dieses Zitat stammt, ist zugleich verantwortlich dafür, dass die Stadt Paris heute vor 73 Jahren den alliierten Streitmächten übergeben worden ist, ohne sie, wie eigentlich befohlen, bis zum Letzten zu verteidigen und sie notfalls «nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes» fallen zu lassen.

Dietrich von Choltitz war erst wenige Wochen zuvor zum kommandierenden General von Gross-Paris befördert worden und hätte eigentlich den Befehl gehabt, diese Stadt in Schutt und Asche zu legen, bevor der Gegner sie einnehmen kann. Man will sich gar nicht vorstellen, was, nebst dem immensen menschlichen Leid, an Kunstschätzen verloren gegangen wäre. Aber was hat ihn dazu gebracht, den persönlichen Befehl des Führers zu missachten und die Stadt unversehrt zu lassen?

Wir wissen es nicht. Raoul Nordling, ein schwedischer Diplomat hatte seine Finger im Spiel. Er suchte das Gespräch mit von Choltitz und konnte zwischen dem Stadtkommandanten und der französischen Résistance vermitteln. Volker Schlöndorff hat in einem packenden Film das mögliche Drama zwischen Choltitz und Nordling dargestellt. Aber gesichertes Wissen haben wir nicht. Wir können nur von aussen feststellen, dass der getreue Befehlsempfänger, der wenige Jahre zuvor noch konsequent den Vernichtungsbefehl an jüdischen Menschen ausgeführt hatte, nun den direkten Befehl Hitlers verweigerte und darum von vielen Seiten als «Retter von Paris» gefeiert wurde.

Das alles macht seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht ungeschehen. Aber es lässt über die Vielfarbigkeit menschlicher Charaktere staunen. Vielleicht braucht es ganz einfach mehr Menschen wie Nordling, die auch den strammsten Kommandeur nicht verloren geben, sondern mit der Macht der Worte Veränderungen auslösen.

 

xeiro ag