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Heute vor ... 24. September: Soldaten und ein Anruf

1200 Soldaten der legendären 101. US-Luftlandedivision hatte Präsident Eisenhower aufgeboten. Ihr Auftrag war, Versammlungen aufzulösen und neun gefährdete Personen an ihren Bestimmungsort zu eskortieren.

Allerdings sollte dies nicht im feindlichen Ausland geschehen, sondern in der Heimat. Seit Wochen versuchten neun Jugendliche den Unterricht an der «Little Rock Central High School» zu besuchen.

Offiziell war die Rassentrennung seit drei Jahren aufgehoben. Dennoch wurde den schwarzen Teenagern der Besuch dieser Schule verwehrt. Der Gouverneur des Staates Arkansas hatte sogar die Nationalgarde aufgeboten, um die Schüler am Betreten der High School zu hindern. Weisse Jugendliche und Erwachsene demonstrierten lauthals gegen die Vermischung der Rassen. Auf einem berühmt gewordenen Bild sieht man die schwarze Schülerin Elizabeth Eckford nach einem erfolglosen Versuch, die Schule zu betreten. Ihr folgt eine Gruppe weisser Frauen. Eine davon, Hazel Bryan, hat den Mund weit aufgerissen und schmäht Elizabeth aufs Übelste.

Heute vor 64 Jahren nun setzte Präsident Eisenhower dem ein Ende, unterstellte die Nationalgarde seinem eigenen Befehl und bot stattdessen die Luftlandedivision auf, um den «Little Rock Nine», wie sie seither heissen, zu ihrem Recht zu verhelfen. Bis vor ihre Klassenzimmer eskortierten die Soldaten die neun Schülerinnen und Schüler. Das war ein unmissverständliches Signal. Der Zugang wurde den neun danach nicht mehr verwehrt, das Problem der Diskriminierung beschäftigte sie trotzdem während der ganzen Schulzeit. 

Aber auch Hazel Bryan, deren aufgerissener Mund stets zu sehen war, wenn die «Little Rock Nine» ein Thema wurden, liess die Angelegenheit nicht los. Mit der Zeit erkannte sie, dass den Schwarzen grosses Unrecht geschah. Und eines Tages nahm sie den Hörer in die Hand, rief Elizabeth Eckford an – und bat sie um Entschuldigung.

xeiro ag