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Heute vor ... 24. Juli: Dorando Pietri

Ein Grund, weshalb wir Sport lieben, ist der, dass er immer wieder für grosse Dramen sorgt. Insbesondere die grossen Events wie Weltmeisterschaften und Olympiaden sind stets für emotionale Momente gut. Das war schon so, als heute vor 112 Jahren an den Olympischen Sommerspielen in London der erste Marathonwettlauf über die noch heute gebräuchliche Distanz ausgetragen wurde.

Dorando Pietri lief ein gutes Rennen. Lange konnte er sich hinter dem führenden Läufer, einem Südafrikaner, auf Platz zwei halten. Als wenige Kilometer vor dem Ziel dessen Kräfte einbrachen, konnte Pietri sich sogar auf die Spitzenposition vorschieben. Er schien einem ungefährdeten Sieg entgegenzulaufen. Doch im Stadion verliessen auch ihn die Kräfte. Erst lief er in die falsche Richtung, dann brach er mehrere Male zusammen. Kampfrichter wiesen ihm den Weg und spornten ihn an. Sportmediziner sorgten sich um seine Gesundheit. Schliesslich halfen ihm Ärzte und Kampfrichter über die Ziellinie. Es war weniger Pietris Sieg als vielmehr sein Kampf, der nun gefeiert wurde. 

Erst zehn Minuten später lief der zweitplatzierte Amerikaner John Hayes ein. Die amerikanische Delegation protestierte, da Dorando Pietri das Ziel nur mit regelwidriger Hilfe erreicht hatte. Die Schiedsrichter gaben ihr recht, disqualifizierten Pietri, und Hayes konnte die Goldmedaille entgegennehmen. 

Aber nicht nur das Publikum, sondern auch die britische Königin war von Pietri so beeindruckt, dass sie ihm einen goldenen Ehrenpokal überreichte. Und kein geringerer als Sir Arthur Conan Doyle, der Schöpfer von Sherlock Holmes und Dr. Watson, beschrieb das Drama in der Presse so gekonnt, dass Dorando Pietri schliesslich zur Legende wurde. Dass kurze Zeit später bei einer Wiederholung des Rennens Pietri deutlich gegen Hayes gewann, ist dabei schon fast nebensächlich. Es war das Drama, der gemeinsame Kampf von Publikum und Pietri, das ihn unsterblich machte.

 

xeiro ag