Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Heute vor ...24. April: Eigentlich ...

Eigentlich hätte man bereits früher vorsichtiger sein müssen, denn schon Jahre zuvor hatte der Bundesnachrichtendienst vor der Einstellung von Günter Guillaume im Bundeskanzleramt gewarnt. Und als Guillaume heute vor 46 Jahren festgenommen wurde, war damit auch das politische Schicksal von Bundeskanzler Willy Brandt besiegelt.

Wobei eigentlich das nicht zwingend gewesen wäre, wie namhafte Persönlichkeiten der SPD-Führungsriege meinten. Aber Brandt war auch persönlich angeschlagen. Nicht nur, dass ihn der Vertrauensbruch von Günter Guillaume traf. Er litt unter Depressionen und musste damit rechnen, dass im bevorstehenden Wahlkampf sein Alkoholkonsum und seine sexuellen Affären ausgeschlachtet würden. Offiziell trat er wegen der Guillaume-Affäre zurück, aber eigentlich «war ich kaputt, aus Gründen, die gar nichts mit dem Vorgang zu tun hatten, um den es damals ging», sagte Brandt später einmal in einem Interview.

Dass es gelungen war, einen Spion direkt ins Bundeskanzleramt zu schleusen, war hoch brisant. Aber eigentlich waren die Informationen, die Guillaume tatsächlich in den Osten liefern konnte, gar nicht so relevant, wie spätere Untersuchungen ergaben. Weiter konnte man es auch als Erfolg des DDR-Geheimdienstes ansehen, dass es ihm gelungen war, einen Kanzler zu stürzen. Aber eigentlich war die Regierung der DDR darüber gar nicht so erfreut, da die Entspannungspolitik Brandts von der DDR begrüsst wurde. Daher bemühten sich im Anschluss auch beide Seiten darum, an der Normalisierung der Beziehungen und damit am Aufbau gegenseitigen Vertrauens festzuhalten.

Die Guillaume-Affäre war eine grosse Sache, aber eigentlich dann eben doch auch wieder nicht. In der Politik geht’s gelegentlich um Spione, Alkohol und Frauen, aber eigentlich...

 

xeiro ag