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Heute vor ... 23. November: Bürgerkrieg

Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn sie Begriffe wie «Armagnac» und «Bourguignon» hören? – Bei «Armagnac» denke ich an einen Branntwein und bei «Bourguignon» an ein Fleischfondue. Ein Armagnac ist ein Brandy, der im Unterscheid zum berühmteren Cognac nur einmal destilliert wird. Er ist auch ungleich älter als der Cognac. Urkundlich belegt ist die Genehmigung für eine Brennerei im 15. Jahrhundert! Damals wurde er vor allem als Medizin verwendet, zur Schmerzlinderung.

Nach dem Brennvorgang wird das Destillat zwischen drei und zwanzig Jahren in Eichenholzfässern gelagert. Sein Alkoholgehalt beträgt mindestens 40 Volumenprozent. Und beim Fondue Bourguignonne werden zarte Fleischwürfel in heisses Öl getaucht und so gebraten. Mit den entsprechenden Saucen muss das sehr lecker sein!

Aber weder habe ich je einen Armagnac getrunken noch ein Fondue Bourguignonne gegessen. Ich kenne also beides nur dem Namen nach und kann daher auch nicht abschätzen, wie Getränk und Speise zusammen passen würden. Würden sie eine harmonische Einheit bilden oder doch eher einen kulinarischen Bürgerkrieg auslösen?

Wegen einem solchen Bürgerkrieg, der in Fleisch und vor allem Blut stattgefunden hat, bin ich überhaupt auf diese Thematik gekommen. Denn heute vor 611 Jahren liess Johann Ohnefurcht den 35-jährigen Ludwig von Orléans ermorden und löste damit den Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons aus. Neun Jahre dauerte dieser Bürgerkrieg. Es ging dabei wie so häufig um Geld und Macht. So war den einen zum Beispiel die Präsenz der Engländer auf dem europäischen Festland ein Dorn im Auge, während die anderen mit ihnen gute wirtschaftliche Beziehungen pflegten. Schliesslich wurde der Konflikt im Frieden von Arras beigelegt.

Nun, der Bürgerkrieg ist im Grunde schon längst vergessen. Aber den Armagnac und das Fondue kann man noch immer geniessen. Das Gute und Genussvolle hat überlebt. Und das ist gut so.

 

xeiro ag