Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Heute vor ... 2. Oktober: Grounding

Die Nachricht vom Ende der Swissair habe ich in den Ferien zur Kenntnis genommen. Jenes Jahr, insbesondere jener Herbst, war eine Zeit, in der die Zeitung jeden Tag spannend zu lesen war. Beinahe täglich gab es wichtige Neuigkeiten, und erklärende Hintergrundartikel versuchten die Weltlage zu verstehen.

Die Swissair war schon länger am Trudeln. Dann kamen die Anschläge auf die Twin Towers in New York und stellten alle anderen Nachrichten in einen traurigen Schatten. Daher legte ich in den Ferien damals jeden Tag grossen Wert darauf, irgendwo eine NZZ aufzutreiben. Und so sehe ich heute noch die Titelseite der NZZ vor mir, auf der die Anzeigetafel am Flughafen Kloten abgebildet war. Hinter jedem Flug der Swissair stand das Wort «cancelled», «abgesagt». 

Da wir nicht mit der Swissair in die Ferien geflogen waren, machten wir uns bezüglich Rückflug keine Sorgen. Nur staunte ich nicht wenig, dass so etwas überhaupt möglich war. Noch einen Monat zuvor dachte ich bei mir: «Jetzt müsste man Aktien der Swissair kaufen. Die kommen bestimmt wieder.» Ich war völlig ahnungslos. Später sagte mir ein Banker, bei ihnen gebe es eine Regel: Wenn Dummies – in diesem Falle ich – sagen, jetzt müsse man kaufen, sei es für die Profis höchste Zeit, die Aktien abzustossen.

Zum Glück habe ich keine Aktien gekauft. Denn heute vor 19 Jahren war die Swissair am Ende. Gestaunt habe ich im Nachgang, dass das überhaupt möglich war, dass ein einst derart starkes und gesundes Unternehmen von hochbezahlten Managern – kontrolliert von einem, wie man meinte, hochkarätig besetzten Verwaltungsrat – in den Ruin geritten wurde. Realitätsfern und ohne irgendwelche Absicherungen zu beachten, wurden Milliarden von Franken mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen und so ein Flaggschiff der Schweizer Wirtschaft versenkt. Ganz offensichtlich war ich damals nicht der einzige Dummie.

 

xeiro ag