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Heute vor... 19. Juni: Ethel und Julius Rosenberg

Das Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg hat zu Beginn der 1950er-Jahre die amerikanische Öffentlichkeit beschäftigt.

In der McCarthy-Ära kam es zu einer regelrechten Kommunisten-Hetze. Und die Eheleute waren Kommunisten. Sie wurden der Spionage angeklagt. Der Vorwurf lautete, sie hätten geheime Unterlagen zur Entwicklung von Atombomben an die Sowjetunion weiter gegeben. Heute gilt es wohl als erwiesen, dass Julius Rosenberg tatsächlich für die Sowjetunion spioniert hatte. Ebenso einig ist man sich aber auch, dass Ethel lediglich Mitwisserin war. Weiter scheint klar zu sein, dass damals Beweise seitens der Regierung manipuliert und hergestellt wurden.

Ethel kam vor allem deshalb in die Mühlen, weil ihr Bruder, der tatsächlich relevante Informationen verraten hatte, sie schwer belastete, um seine eigene Haut zu retten. Zudem gab der damalige Justizminister später zu, dass das Todesurteil gegen Ethel als Bluff benutzt worden sei, um Julius dazu zu bringen, weitere Spione zu verraten.

Der Bluff ging nicht auf. Als die beiden nach der Verurteilung zurück in ihre Zellen geführt wurden, rief Julius seiner Frau zu: «Alles wird gut. Hab keine Angst!», worauf sie eine Arie aus «Madame Butterfly anstimmte: «Un bel di vedremo» (Eines schönen Tages werden wir uns wieder sehen.). Wärter und Mitgefangene waren zu Tränen gerührt. Das änderte aber nichts am Schicksal der beiden. Und so wurden heute vor 67 Jahren die Eheleute Rosenberg auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Bei Ethel mussten offensichtlich weitere Stromstösse durchgeführt werden, da selbst nach drei Elektroschocks immer noch Herztätigkeit festgestellt wurde.

Obwohl mittlerweile klar ist, dass zumindest an Ethel Justizmord begangen wurde, hat es trotz hartnäckiger Versuche keine Begnadigung oder Rehabilitation gegeben. Nur schon darum müssen ihre Namen im Gedächtnis bleiben.

 

xeiro ag