Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Heute vor ... 18. August: «Read my lips:…»

«…no new taxes!» – Zu Deutsch: Nehmen Sie mich beim Wort: Keine weiteren Steuern.

Was sagt man nicht alles, wenn der Tag lang ist! Wir kennen das alle in der einen oder anderen Form. Da halten einem die Kinder etwas vor, das man vor zehn oder zwanzig Jahren gesagt hat. Selber hat man es womöglich schon lange vergessen. Aber die Kinder können es einem noch heute aufs Butterbrot schmieren. Auch Politiker können davon ein Lied singen. Da gibt man im Wahlkampf ein Versprechen ab, und wenn man es dann nicht einlösen kann, erinnern einen die Wähler und die Medien unerbittlich daran.

George Bush senior ist es so ergangen. Als Vize von Ronald Reagan hatte er gute Chancen, dessen Nachfolger zu werden. Aber die Begeisterung für seine Kandidatur wollte nicht so recht in Fahrt kommen. Und so brachte  Bush das bei den Republikanern beliebte Thema Steuern aufs Tapet. An einer wichtigen Versammlung heute vor 29 Jahren sagte er schliesslich die berühmten Worte: «Read my lips: No new taxes.» Schon im Vorfeld hatte unter Bushs Beratern diese Formulierung zu denken gegeben. Sein Wirtschaftsberater bezeichnete sie gar als «dumm und gefährlich», denn er war der Ansicht, dass sich ein solches Versprechen unter Umständen nicht einhalten lasse, ohne die Handlungsfähigkeit der Regierung entscheidend einzuschränken. 

Dieser Berater sollte recht behalten. Präsident Bush wurde durch die Umstände gezwungen, einer Erhöhung der Steuern zuzustimmen. Natürlich hat man ihm in der Folge seine prägnante Formulierung unzählige Male um die Ohren geschlagen. Selbst in den eigenen Reihen wurde er als unzuverlässiger Charakter dargestellt. Im folgenden Wahlkampf schlugen seine Gegner erst recht mit Vorliebe in diese Kerbe. Bush verlor schliesslich den Wahlkampf, und Bill Clinton kam für zwei Amtszeiten an die Macht. 

Bushs vollmundiges, aber unhaltbares Versprechen wurde von der Wählerschaft hart abgestraft. Andererseits: Man hat ihn beim Wort genommen. Ich hätte mir gewünscht, die Wählerschaft hätte auch bei der Wahl des aktuellen US-Präsidenten dessen Worte ernster genommen.

xeiro ag