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Heute vor ... 15. Oktober: Dreizehn Tage

Als die Analysten heute vor 59 Jahren die Bilder auswerteten, die am Vortag von Spionageflugzeugen gemacht worden waren, war die Sache klar. Die Sowjetunion war im Begriff, Mittelstreckenraketen auf Kuba zu installieren.

Das war an sich schon eine Bedrohung für die USA. Wirklich brisant machte diese Entdeckung, dass diese Raketen mit Atomsprengköpfen bestückt werden konnten und Städte wie New York und Washington erreicht hätten. Die USA konnten dies unmöglich akzeptieren.

Nun begannen die dreizehn Tage, die als Kubakrise in die Geschichtsbücher eingingen. Ein eigens einberufener Krisenstab, das sogenannte ExComm des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, arbeitete auf Hochtouren verschiedene mögliche Reaktionen aus. Eine Seeblockade rund um Kuba, die man aus politischen Gründen Quarantäne nannte, wurde eingerichtet. Nun kamen zwar keine neuen sowjetischen Schiffe mehr nach Kuba. Dennoch ging dort die Installation der Raketen weiter, und im ExComm wurde hart diskutiert, ob man nun Kuba erobern solle oder ob weiter Verhandlungslösungen angestrebt werden sollen. Würde es zu einer militärischen Begegnung zwischen den Supermächten kommen, wäre ein weiterer Weltkrieg kaum mehr abzuwenden.

An einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates präsentierte schliesslich der Botschafter der USA der Weltöffentlichkeit erstmals Aufklärungsfotos von sowjetischen Raketenstellungen auf Kuba. Gleichzeitig wurde der Sowjetunion bei einem geheimen Treffen mit dem sowjetischen Botschafter ein gesichtswahrendes Angebot gemacht. Chruschtschow lenkte schliesslich ein, die Raketen wurden von Kuba abgezogen. Ein Krieg war abgewendet.

«Thirteen Days» heisst ein Hollywoodfilm, in dem diese dreizehn Tage nachgezeichnet werden. Am Schluss sagt dort Kennedy zu seinen Stabsmitarbeitern: «Es ist für sie genauso ein Sieg wie für uns» und bringt damit zum Ausdruck, dass auf beiden Seiten Menschen guten Willens waren, die ein Krieg verhinderen. Solche Menschen braucht die Welt.

xeiro ag