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Heute vor ... 14. Mai: Von den Anfängen des Impfens

Als Edward Jenner heute vor 225 Jahren dem achtjährigen James Phipps zwei oberflächige Schnitte in den Arm machte und ihn mit Kuhpocken impfte, war dies nicht die erste Impfung überhaupt. Bereits rund achtzig Jahre zuvor wird von Pockenimpfungen am osmanischen Hof in Istanbul berichtet. Und die österreichische Kaiserin Maria Theresia hatte dreissig Jahre zuvor den niederländischen Arzt Jan Ingenhousz nach Wien beordert, um ihre Kinder zu impfen.

Jenners Impfung wird dennoch als Meilenstein betrachtet, weil er den kleinen James über die Impfung hinaus beobachtete, weitere Impfungen an anderen Kindern – unter anderem auch an seinem eigenen erst 11 Monat alten Sohn Robert – vornahm und seine Beobachtungen schliesslich publizierte. 

Jenner schloss auf eine lebenslange Immunität. Wenige Jahre später wurden die Impfversuche auch in anderen Ländern Europas durchgeführt. So liess zum Beispiel Napoleon seine Soldaten gegen die Pocken impfen. Und obwohl sich Napoleon damals mit England im Krieg befand, zeichnete er Jenner mit einer Ehrenmedaille aus und entliess auf Jenners Bitte zwei seiner Freunde aus der Kriegsgefangenschaft. Dass Jenner seinen Impfversuch direkt an einem Menschen ausführte, wäre heute aus medizinethischen Gründen nicht mehr erlaubt. Aber Jenner vergass seinen jungen Probanden nicht. Als nämlich der nicht mehr so kleine James Phipps eine Familie mit zwei Kindern gründete, stellte ihm Jenner ein Wohnhaus mietfrei zur Verfügung.

Ein weiterer Grund für die positive Reaktion der Öffentlichkeit auf Jenners neue Methode war nicht zuletzt der, dass Jenner auf eine Patentierung des Verfahrens verzichtete. Jenner befürchtete, dass eine Patentierung die Kosten derart erhöhen würden, dass die ärmere Bevölkerung sich diese nicht mehr leisten könnte. Wie aktuell Geschichte doch sein kann!

xeiro ag