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Heute vor ... 12. April: Pinkelpause

Er bekam den Titel «Held der Sowjetunion». Auf mehreren Münzen wurde er verewigt. Zahlreiche Strassen, Schulen und Kindergärten wurden nach ihm benannt. Seine Gestalt wurde in Stein gemeisselt und in Stahl gegossen und an wichtigen Plätzen aufgestellt. Ein Krater auf der Rückseite des Mondes und eine Gebirgskette in der Antarktis tragen seinen Namen. Als er starb, wurde in der Sowjetunion Staatstrauer ausgerufen. Das hatte es bis dahin nur für verstorbene Staatsoberhäupter gegeben.

Als Juri Alexejewitsch Gagrin, von ihm ist hier die Rede, heute vor 58 Jahren im Raumschiff Wostok 1 als erster Mensch im Weltraum die Erde in 108 Minuten umrundete und anschliessend sicher landete, wurde er für viele Menschen im damaligen Ostblock zum Idol. Die USA dagegen stürzte er in eine Krise. Nach dem Sputnik-Schock – die UdSSR hatten als erste einen Satelliten ins All gebracht – war dies die zweite peinliche Niederlage für den Westen. Das Ziel, als erster einen Menschen ins All zu befördern, hatte er nicht erreicht. 

Sieben Jahre nach seinem spektakulären Erfolg verunglückte Gagarin bei einem Schulungsflug. Die Umstände dieses Absturzes gaben Rätsel auf. Denn sein Flugzeug galt als eines der sichersten und der Lehrer, der mit ihm flog, als einer der erfahrensten. Verschwörungstheorien machten die Runde. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Unglück bis heute nicht restlos aufgeklärt.

Aber vielleicht stimmt ja auch die erste Version, die publiziert worden ist, dass nämlich «eine unglückliche Verkettung verhängnisvoller Umstände» zum Absturz geführt habe. Wer weiss. Allerdings erzähle ich gerne noch eine sympathische Anekdote. Auf dem Weg zu seinem Raumflug musste Gagarin sich noch erleichtern. Der Bus hielt an, und Gagarin pinkelte an den Hinterreifen des Fahrzeugs. Seither wird diese Pinkelpause aus Tradition von allen Kosmonauten auf dem Weg zur Startrampe eingehalten. Man kann das Andenken an einen Helden auf unterschiedliche Weise in Ehren halten.

xeiro ag