Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Heute vor ... 11. Juni: Du sollst lieben!

Mit der Liebe ist es immer so eine Sache. Im Grunde ist es eine schöne Sache, aber sie wird zum Problem, wenn sie befohlen wird. Das wirkt dann irgendwie theoretisch. Gefühle können ja nicht angeordnet werden. Oder doch?

Nachdem heute vor 533 Jahren sein Vater auf dem Schlachtfeld gefallen war, wurde automatisch Jakob IV. König von Schottland. Während das Verhältnis zum Vater belastet war, muss die Beziehung zur Mutter sehr eng gewesen sein. Als Jakob dreizehn Jahre alt war, starb seine Mutter. Auf dem Sterbebett soll sie ihm gesagt haben: «Wenn du das Königreich deines Vaters erbst, vor allen Dingen liebe dein Volk wie dich selbst ...» 

Da ist er wieder, dieser Befehl, zu lieben. Gleichzeitig ahnt man, dass die Worte der sterbenden Mutter nicht einfach graue Theorie sein werden. Sie sagte denn auch: «Liebe dein Volk... mit Gerechtigkeit, Gnade, Grosszügigkeit und Zuneigung. Sei bereit sie anzuhören. Scheue keine Anstrengung. Trachte danach, deine Untertanen zusammen zu halten und dein Königreich in Frieden und Ruhe zu wahren. Achte darauf, dass Gerechtigkeit nicht durch Gier verletzt wird, denn dies verdirbt deinen Ruhm [...] So wie sich ein König von seinem Volk abhebt durch seine Kleidung, so sollte er dies auch durch sein Verhalten und seine Tugend.» Ungemein hilfreich sind diese Worte der Mutter. Sie lehren den jungen Mann, wie königliche Liebe aussieht. 

Liebe ist da zunächst eine Haltung, die man durchaus einnehmen kann, ohne sich in Sachen Gefühle zu überfordern. Gerechtigkeit soll er üben und grosszügig soll er sein. Er soll sein Volk anhören und die Arbeit nicht scheuen. Das kann man von einem König erwarten. Und das wäre doch auch der Königsweg im täglichen Umgang der Menschen miteinander. Das erfordert keine übermässige Zuwendung zu allem und jedem. Führt aber zu mehr Gerechtigkeit und weniger Gier. 

 

 

xeiro ag