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Heute vor... 10. Dezember: Die Zauberformel

Man hatte es sich so gemütlich eigerichtet in der Zauberformel. Das politische System war stabil, was ja durchaus seine Vorteile hatte. Doch dann begann in den Neunzigerjahren, angeführt von Christoph Blocher, die Schweizerische Volkspartei (SVP) den gemütlichen Politbetrieb aufzumischen.

Nahezu alle Parteien bekundeten Mühe mit dem neuen Politikstil. Doch er war erfolgreich und brachte die anderen Bundesratsparteien in Bedrängnis. Und so kam es, dass die SVP immer grössere Wähleranteile auf sich vereinigen konnte und schliesslich Anspruch auf einen zweiten Bundesratssitz anmeldete.

Es wurde langsam ungemütlich. Man hatte sich doch so sehr an die Zauberformel gewöhnt und verspürte wenig Lust, diese zu ändern. Aber das Regelwerk unserer Demokratie spielte, und so wurde heute vor 18 Jahren die amtierende CVP-Bundesrätin Ruth Metzler ab- und Christoph Blocher ins Amt gewählt. Das war eine kleine Revolution, hatte doch die bestehende Zusammensetzung des Bundesrates mit 2 FDP, 2 CVP, 2 SP und 1 SVP seit 1959 Bestand gehabt. Und nun hatte die SVP zwei Bundesratssitze und die CVP nur noch einen. Andererseits hatte sich nicht viel geändert. Die Proportionen blieben dieselben. Nur etwas anders verteilt.

Vollends änderte sich die magische Formel, als vier Jahre später Blocher ab- und an seiner Stelle Eveline Widmer Schlumpf ins Amt gewählt wurde. Zwar war Schlumpf ebenfalls Mitglied der SVP. Weil sie aber eine Art Königsmord begangen hatte, wurde sie aus der Partei ausgeschlossen. Widmer-Schlumpf wurde Mitglied der neugegründeten BDP, die Zauberformel war dahin. Acht Jahre blieb Widmer Schlumpf Bundesrätin. Dann trat sie zurück, die SVP bekam mit der Wahl von Guy Parmelin ihren zweiten Sitz. Die Welt in Bundesbern war wieder in Ordnung. Sie hat so nichts Zauberhaftes, die Zauberformel. Aber sie funktioniert. Und das ist in der Politik schon viel.

xeiro ag