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Heute vor ... 1. November: «Und nun? …

...Beerdigt die Toten und ernährt die Lebenden!» – Mit diesen nüchternen Worten soll Sebastiao de Mello als Premierminister Portugals auf das verheerende Erdbeben von Lissabon reagiert haben.

Heute vor 264 Jahren zerstörte dieses rund 85 Prozent der Stadt. Unmittelbar nach dem Beben flüchteten die Überlebenden in den Hafen, wo wenig später ein Tsunami die Stadt überrollte. Dieser löschte zwar viele Brände, riss aber auch zahlreiche noch stehende Gebäude ein. Zwischen 30'000 und 100'000 Tote hatte die Stadt zu beklagen – bei einer Gesamtbevölkerung von 275'000 Personen!

In ganz Europa waren die Ausläufer des Bebens zu spüren. Und es konnte nicht ausbleiben, dass das Beben auch das europäische Geistesleben erschütterte. Philosophen und Theologen mussten sich ganz neu die Frage stellen, wie der gute Gott so etwas Böses zulassen konnte. Denn an dieser Katastrophe war kein menschliches Verschulden festzumachen. Man fragte sich zum Beispiel, weshalb so viele schöne christliche Bauwerke zerstört, aber ausgerechnet das Rotlichtviertel Alfama kaum beschädigt wurden.

Der portugiesische König, der nur durch Zufall das Beben überlebte, hatte danach sein Leben lang Angst, in Gebäuden zu übernachten und liess eine Zeltstadt errichten, in der er für den Rest seines Lebens residierte. Da war es ein Segen, dass ein besonnener Premierminister wie de Mello die Führung übernahm und alles tat, um Ordnung ins Chaos zu bringen.

Die Armee musste die Brände löschen und die Leichen aus der Stadt entfernen. Um das Entstehen von Epidemien zu verhindern, wurden die Verstorbenen auf Schiffe verfrachtet und auf dem offenen Meer bestattet. Plünderer wurden durch Galgen, die an prominenten Stellen der Stadt aufgestellt wurden, abgeschreckt. Zudem riegelte die Armee die Stadt ab, damit die Bewohner sie nicht verliessen, sondern sich an ihren Wiederaufbau machten.

Im Moment einer solchen Katastrophe kann es nur helfen, wenn der Chef mit einem nüchternen «Und nun?» Distanz zum Ereignis schafft und auf diese Weise frei wird, lebensdienliche Prioritäten zu setzen.

 

xeiro ag