Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Heile Welt im Advent

In einer für alle sehr schwierigen Zeit versucht die Galerie Schwabach mit ihrer neuen Ausstellung den Besuchern und Besucherinnen durch die Schönheiten des Appenzellerlandes Mut, Hoffnung und Lebensfreude zu vermitteln.

  • Verena Broger ist bekannt für ihre Bauernmalerei aus dem Appenzell.

  • Mit Wasserfarben bemaltes «Devisli» von Sylvia Manser. Fotos: zvg

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Die beiden Bauernmalerinnen Verena Broger und Sylvia Manser bringen uns das Leben, den Alltag und das Brauchtum der Innerrhoder Bevölkerung näher. Verena Broger ist heute die Doyenne der Bauernmalerinnen. Unverkennbar ist ihr Malstil, die roten Bäckchen der Bauern und Kinder, der Blick in den schweren Alltag des Bauern und dessen harte Arbeit. 

Die Moderne kommt nicht vor

Sie verfügt über eine wunderschöne Farbpalette, bettet Mensch und Tier in die Hügel- und Berglandschaft Appenzells ein. Sei es im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, der Betrachter wird durch die Ruhe, Erholung und Entspannung vermittelnden Bilder durch die Jahreszeiten geführt. Man erlebt den Alpaufzug, den Alpabtrieb, die Kühe weidend auf der Wiese, spielende Kinder, Rad fahrende Bauern, feiernde Sennen und Sennerinnen und schwatzende Frauen. Im Winter spielen die Kinder im Schnee und bauen einen Schneemann, und die Kühe werden durch den Schnee von einem Stall in den anderen geführt. Oder auch nachts bei Vollmond, wenn die Häuser bei dem speziellen Licht des Mondes Ruhe ausstrahlen, beginnt man selbst zu träumen. Aber auch der feierliche Alltag wird festgehalten, so beim Bild «Taufe», wenn alle in ihrer wunderschönen Tracht vor dem Haus warten. Hervorragend sind auch die beiden Bilder mit dem roten Appenzeller-Bähnli, das durch die Hügellandschaft fährt. Nur eines bleibt bei allen Bauernmalerinnen und -malern gleich, sie lassen die Moderne weg. Man findet keine Autos, kein Flugzeug am Himmel und keinen Traktor und keine Stromleitungen. Entspricht dies nicht der heilen Welt?

Appenzeller Brauchtum

Ergänzend zu den Bildern greift die Appenzellerin Sylvia Manser ein altes Handwerk auf. Die Appenzeller Bevölkerung kannte den Christbaum eigentlich nicht, sondern sie hat heute noch an Weihnachten den Chlausbickel und das Chlausenzüüg. Beide werden auf einem pyramidenartigen Holzgestell aufgebaut, das Chlausenzüüg wird mit «Devisli» geschmückt, und der Chlausebickel erhält zusätzlich bemalte, essbare Lebkuchen sowie oft noch Holzäpfelchen. Es gibt nur noch etwa drei Frauen, die auf traditionelle Art die «Devisli» herstellen. Sylvia Manser beauftragte einen einheimischen Bildhauer mit dem Schnitzen der Holzmodel.

Das Schwierige war nun, den weissen Salzteig herzustellen, der dann auch bemalt werden kann. Für diesen Teig gab es kein Rezept, also musste Sylvia Manser längere Zeit pröbeln. Heute arbeitet sie mit 35 verschiedenen Modeln. Es sind Appenzellerinnen in ihrer wunderbaren Tracht beim Sticken sowie Bauern mit dem «Lenaueli» im Mund, der traditionellen Pfeife,  und oft begleitet vom Appenzeller, dem Hütehund. Das Wort «Devisli» stammt übrigens vom Wort Devise ab, was Sinnspruch bedeutet. So wurden die Devisli oft auch von aufgemalten Sinnsprüchen begleitet. Bevor mit dem Bemalen begonnen werden kann, müssen die Devisli rund zwei Wochen härten und trocknen. Dann werden sie mit Wasserfarbe bemalt. Das Bemalen eines Devislis dauert ungefähr rund eine Stunde.

Die grossartige Ausstellung bietet einen wunderbaren Einblick in die Traditionen und den Alltag der Appenzeller. 

Schwabach Galerie, Feldgüetliweg 72, Feldmeilen. Vernissage morgen Samstag, 14. November, 16 bis 18 Uhr. Apéro am Sonntag, 6. Dezember, 15 bis 17 Uhr, Ausklang am 27. Dezember zur selben Zeit. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 17 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 15 bis 17 Uhr. Geschlossen 24. bis 26. Dezember. 

xeiro ag