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Harmonie und Herausforderung

Die Schwabach Galerie beginnt die neue Ausstellungssaison mit sehr schönen Bergbildern von Walter Wydler und eindrücklichen Schwemmholzarbeiten von Markus Bhend.

  • Markus Bhend schleift seine Holzkunstobjekte ab und behandelt sie mit Orangenöl. Fotos: zvg

  • Dass Walter Wydler Architekt war, erahnt man beim Betrachten dieses Aquarells von Zürich.

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Walter Wydler wurde 1934 in Buda-
pest geboren. Sein Grossvater wanderte im 19. Jahrhundert nach Ungarn aus, um dort für die Millenniumsfeier der Stadt mitzuhelfen. Es gefiel ihm und der Familie so gut, dass sie in Budapest blieben. Wydlers Vater verfügte über eine grosse künstlerische Begabung und wurde ein Architekt, der mit dem Heimatschutz, dem Erhalt alter Gebäude, eng verbunden war. Zum Ausgleich schuf er auch Bühnenausstattungen. 

Somit wurde die Liebe zur Kunst dem Junior bereits in die Wiege gelegt. Später wurde er Architekt mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur und besuchte die Kunstgewerbeschule. Dank einem Stipendium konnte er sich an der ETH Zürich weiterbilden – so war der Weg in die freie Malerei geöffnet. 

Architekt und Bergwanderer

In der Ausstellung in der Schwabach Galerie werden hauptsächlich seine meisterhaften Aquarelle präsentiert, die nach Eindrücken von Wanderungen in der herrlichen Schweizer Bergwelt entstanden sind. Wydler verfügt über eine harmonische Farbpalette, was sich besonders beim Bild «Eiger, Mönch und Jungfrau» zeigt. Der Vordergrund ist leicht dunkel, aber dahinter strahlen die drei schneebedeckten Gipfel in einem leuchtenden Weiss. 

Den Architekten erkennt man im grossartigen Nachtbild von Zürich. Ruhig fliesst die Limmat am Fraumünster vorbei, im Hintergrund der St. Peter sowie die Gemüsebrücke. Die Strassenlaternen werden zu rot-gelb leuchtendem Feuerwerk und Spiegelbild im Wasser. Ganz speziell sind die Gebäude, die so präzis und genau gemalt sind, dass der Betrachter jedes Einzelne davon erkennt. 

Ganz anders dann seine beiden erotischen Darstellungen. Hier kommt die versteckte Kunst des Verführens in der stolzen Haltung der Frauen zum Ausdruck.

Die lange Geschichte von Holz

Die Ausstellung wird durch Holzarbeiten des Uetikers Markus Bhend ergänzt. Sind die Bilder eher beruhigend, so sind die Holzarbeiten von Bhend herrlich zum Anschauen, aber auch herausfordernd. Man muss sich in einen Dialog mit ihnen begeben, denn sie haben eine lange Vergangenheit. Vom Wachsen im Wald, dem Sturz auf den Boden, den Transport im Wildwasser bis zum Weg in Bhends Werkstatt legen sie eine lange, ereignisreiche Strecke zurück. Sie haben viel erlebt und viel zu erzählen.

Bhend nimmt ihnen ein wenig das Wilde, das Archetypische, indem er sie abschleift und mit Orangenöl einreibt. So werden aus den wilden Gesellen beruhigende Kunstwerke. Seine Arbeiten muss man berühren, man muss sie spüren. Als Kontrast weisen sie in ihrem schönen Braun oft Brandspuren auf, die die Wirkung noch steigern. Und beim Betrachten erhält man den Eindruck, als würden diese Holzkunstobjekte eine, ihre Geschichte erzählen. 

Schwabach Galerie, Feldgüetliweg 72, Meilen. Ausstellung bis 17. Oktober, offen Donnerstag und Freitag 18 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 15.00 bis 17.00 Uhr. Vernissage: 12. September, 17.00 bis 19.00 Uhr, Apéro: 27. September.

xeiro ag