Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Halbklassen, Plexiglaswände und Distanzregeln

Am Montag hat auch die Schule Meilen den Unterrichtsbetrieb wieder hochgefahren, vorerst halbklassenweise, wie für den Kanton Zürich vorgeschrieben. Der Start gelang dank aufwändiger Vorbereitung.

  • Für die Sekschüler wurden vor den Allmendschulhäusern improvisierte Waschstationen aufgebaut. Foto: MAZ

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«Die Schutzmassnahmen sind enorm, wir sind äussert vorsichtig», sagt Rektor Jörg Walser zum Neustart des Schulbetriebs nach acht Wochen Corona-Pause. Die Lösung mit einem vorerst vierwöchigen Halbklassen-Modell ist vom Kanton Zürich vorgeschrieben. Ob man sich in Meilen gewünscht hätte, dass es gleich mit ganzen Klassen wieder losgeht, lässt Walser offen. «Selbstverständlich haben wir einige Diskussionen zu diesem Thema geführt», sagt er, «wir haben uns aber ganz schnell darauf konzentriert, die Abstands- und Hygieneregeln nach Vorgabe umzusetzen, denn der Aufwand ist gross.»

Fünfseitiger Elternbrief

Bereits Mitte letzter Woche verschickte die Schule einen Elternbrief. Auf fünf Seiten wurde erklärt, wie der Unterricht in den kommenden vier Wochen ablaufen soll, nämlich mit reduziertem Sonder-Stundenplan und je maximal 15 Kindern pro Halbklasse. Im Kindergarten und in der Primarschule findet am Mittwoch gar kein Präsenzunterricht statt, wobei manche Kinder bei Bedarf an diesem Tag einzeln aufgeboten werden können.

Mit dem ersten Schultag zeigte sich Rektor Jörg Walser am Montagabend sehr zufrieden, es sei alles gesittet und gut abgelaufen. Indes: Bereits der Schulweg muss neu geplant werden, da bisher viele Jugendliche mit dem öV in die Allmend reisten, den man ja meiden soll. Nun kommen sie statt im vollen Bus vermehrt mit dem Velo, zu Fuss oder mit dem «Elterntaxi». 

Gleitzeit für den Schulbeginn

Sekschüler, sie gehören bereits zu einer stärker gefährdeten Bevölkerungsgruppe als jüngere Kinder, waschen sich nach ihrer Ankunft vor dem Schulhaus an speziellen Waschstationen die Hände, trocknen sie an Papiertüchern ab und betreten das Schulhaus anschliessend auf vorgeschriebenem Weg. Als kreative Lösung für die Waschstationen wurden vom Hauswart meterlange, halbierte PVC-Rohre bereitgestellt und vom Sanitär mit 22 Wasserhähnen bestückt. Die jüngeren Kinder waschen sich die Hände im Gebäude, damit aber nicht alle gleichzeitig das Schulhaus stürmen, wurde für den Schulbeginn Gleitzeit eingeführt.

In den Schulzimmern stehen die Pulte so verteilt, dass die vorgeschriebenen Abstände eingehalten werden können, ausserdem gibt es als «Spuckschutz» Plexiglasscheiben, die aufs Lehrerpult oder auf den Tisch gestellt werden können. 160 solcher Schutzschilde wurden angeschafft und von einem Meilemer Schreiner mit Holzfüssen bestückt. Man verwendet sie auch bei Therapien, integrativer Förderung, Deutsch als Zweitsprache und wann immer die Zwei-Meter-Distanz nicht eingehalten werden kann. «Nach Corona» sollen die Scheiben dann übrigens im Werkunterricht von den Sekschülern zu etwas Erfreulicherem verarbeitet werden als Trennwände. 

Vier von 186 Lehrern müssen zu Hause bleiben 

Doch noch gibt das Virus den Takt vor, auch zwischen den Schulstunden. Die Kinder gehen in der Primarschule gestaffelt in die Pause oder müssen sich in zugewiesenen Sektoren aufhalten. In der Sekundarschule wurde ein Rundgang ums Schulhaus ausgeschildert, der schon vor der Coronakrise sehr beliebt war, jetzt darf er nur noch in einer Richtung begangen werden. 

In Zeitungsberichten war von bis zu 20 Prozent Lehrpersonen die Rede, die kantonsweit nicht im Schulzimmer unterrichten können, weil sie zu einer Risikogruppe gehören. Von dieser relativ grossen Zahl ist Meilen glücklicherweise weit entfernt: Anfang dieser Woche waren es nur vier von 186 Lehrern, also rund zwei Prozent, die zu Hause bleiben. 

Allerdings möchte eine Handvoll Eltern aus Risikogruppen ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Für die betroffenen Schülerinnen und Schüler wurden individuelle Lösungen mit Fernunterricht gefunden.

Halb so viele Schulstunden wie üblich

Zuerst wird es nun darum gehen, mit den Kindern eine Standortbestimmung zu machen und allfällige Lernrückstände auszugleichen, denn mit dem Fernunterricht kamen nicht alle gleich gut zurecht – je nach Unterstützung durch Erwachsene, Wohnsituation, sprachlichen Schwierigkeiten etc. gelangen mehr oder weniger Fortschritte. 

Weiterhin wird ein Teil der Lektionen mit Hilfe von Hausaufgaben stattfinden, der Präsenzunterricht ist auf etwas mehr als die Hälfte der üblichen Stunden reduziert. Kindergärtler haben pro Woche zehn Stunden Unterricht, Primarschüler zwölf und Sekschüler 16 bis 18. Turnunterricht gibt es nur für die Sekundarstufe, Schwimmunterricht, Handarbeit, musikalische Grundausbildung oder textiles und technisches Gestalten sind nicht vorgesehen.

Bei Verdacht auf Corona kann getestet werden

Sollten Kinder unter einer Erkältung leiden, müssen sie auf jeden Fall zu Hause bleiben, auch wenn sie nur leichte Symptome zeigen. Bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion kann das Kind ausserdem beim Kinder- oder Hausarzt getestet werden. Ist es Corona-positiv, gilt für die ganze Familie: zehn Tage Quarantäne.

Für die Eltern geht das Jonglieren mit Homeoffice, Unterricht und Hausaufgaben noch einige Wochen weiter. Immerhin ist es in den meisten Fällen gelungen, Geschwister zur selben Zeit zum Halbklassenunterricht aufzubieten. Doch aufgrund der BAG-Vorschriften zu Distanz und Hygiene bleibt das Betreuungsangebot für Kindergartenkinder und Primarschüler eingeschränkt, sie sollen also wenn immer möglich zu Hause beschäftigt werden, und auch die Mittagsbetreuung für Sekundarschüler fällt weg. Nur in Ausnahmefällen gibt es vom Verein FEE ein reduziertes Notfallangebot. Dass Klassenlager, Schulreisen, Exkursionen, Schulhausfeste, Abschlussfeiern, Sporttage, Theateraufführungen und Projektwochen bis mindestens zu den Sommerferien ausfallen, muss schon fast nicht mehr speziell erwähnt werden.

Unterstufe und Chindsgi ohne Abstandsvorschriften

Die Situation bleibt auf jeden Fall anspruchsvoll. «Immer auf zwei Meter Distanz den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten und gleichzeitig gemeinschaftsbildenden und individualisierenden Unterricht zu gestalten», trage schon grundsätzlich einen Widerspruch in sich, schreibt die Schule in ihrem Elternbrief. Normalerweise treten die Lehrerinnen und Lehrer ans Pult der Schüler, erklären ihnen im direkten Gespräch etwas, beugen sich zu ihnen herunter. In der Mittelstufe und an der Sekundarschule soll das nun möglichst vermieden werden. Im Kindergarten und in der Unterstufe gibt es keine Abstandsvorschriften, dennoch versuchen die Lehrpersonen auch hier, «lange Sequenzen von Nähe» zu vermeiden. 

Die Aufgabe wird nicht einfacher: Möglicherweise wird das jetzt noch vorbildliche Verhalten der Schülerinnen und Schüler mit der Zeit Ermüdungseinbrüche erleben – dann sind die Lehrpersonen gefordert, ihre Schützlinge im Schulhaus auf Kurs zu halten. 

xeiro ag