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«Grundformen» im Ortsmuseum

Das Ortsmuseum zeigt ab heute spannungsvolle Bilder und mächtige Skulpturen. Die Werke stammen von den beiden im Aargau wohnhaften Künstlern Nathalie Detsch und Luke Zollinger.

  • Nathalie Detschs Bilder sind philosophisch und meditativ. Fotos: zvg

  • Seine Werke aus Stahl bezeichnet Luke Zollinger als «Rad-Art».

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Nathalie Detsch wurde in Zürich geboren und schloss ihre Schulzeit mit der B-Matura ab. Anschliessend folgten zwei Semester in Ethnologie an der Universität Zürich.

Aber es zog sie bald in die weite Welt, und so unternahm sie alleine eine mehrmonatige Reise quer durch Afrika. Dort lernte sie auch ihren englischen Mann kennen. Heute lebt sie im Aargau. Doch die Reiseerlebnisse liessen sie bis heute nicht mehr los und finden ihren Niederschlag in ihren Bildern.

Textilien aus Afrika, deren Farben und Formenwelt findet sich in übertragenem Sinn in den ausgestellten Bildern. Sie sind voller Spannung, sind die Ovale doch mal hoch, mal quer angeordnet und geben jedem Bild einen eigenen Ausdruck. Nathalie Detschs Farben sind verhalten, nicht leuchtend und blendend, sondern fröhlich und beruhigend. Es überwiegen ein gedämpftes, aber nicht kaltes Blau, Schwarz und Rot sowie Gelb.

Die Bilder, und das ist ganz speziell, wirken auf den Betrachter wie musikalische Kompositionen, wie Notenblätter. Man sieht die Notenlinien, darauf sind schwarze Punkte wie Noten angebracht. Aber es sind nicht nur Punkte, sondern oft erscheinen sie wie stehende Vögel und erwecken den Eindruck, als würden sie gleich zu singen beginnen.

Bei genauem Hinschauen entdeckt man auch die Formen von Kalebassen und afrikanischen Krügen, die formal etwas vom Schönsten sind.

Es sind Bilder voller Symbolik. So befindet sich beim Eingang ein Bild, in dem ein leicht beschädigtes Holzpferd schwebt und wohl an den Untergang der hohen afrikanischen Kultur erinnert.

Wichtig auch der Drache, der immer wieder in verschiedenen Farben und Formen – meist am unteren Bildrand – erscheint. In der Mythologie kann der Drache gut, aber auch böse und zerstörend sein, er kann Feuer speien, aber auch dem Menschen helfen. Die Interpretation ist dem Betrachter überlassen.

Alle Bilder von Nathalie Detsch sind philosophisch und meditativ. Besonders beeindruckend ist das grosse Werk im Kellergewölbe, das weitgehend in Grautönen gemalt ist. Es sind 13 Reihen stehender Ovale auf einem Untergrund im Querformat. Links und rechts wird diese Darstellung durch je eine Reihe stehender Ovale unterbrochen, in denen sich vier Blumen befinden, die mit wenig Grün und Goldbraun dargestellt und der Blickfang sind.

Eine ganz besondere Wirkung erzielt Nathalie Detsch in ihren Bildern, in dem sie mit einem Tuch darüberwischt, solange die Farbe noch nicht trocken ist. In ihren Bildern erkennt man ihre Faszination für das Alte und Ursprüngliche. Ihre Bilder sind völkerverbindend und zeitlos, sie sind beruhigend und schlicht und einfach schön.

Von den Ovalen auf den Bildern und den Brauntönen führt der Weg zu den mächtigen, bis zu 400 Kilogramm schweren Skulpturen des Aargauers Luke Zollinger. Fast traut man ihm diese Schwerarbeit nicht zu, ist er doch sehr schlank. Man erwartet ja eher die Figur eines Bernhard Luginbühl.

Zollinger widmet seine künstlerische Arbeit ganz dem Rad. Es besitzt eine einfache und doch geniale Form, und es spielen Druck und Zug zusammen. So wird in Luke Zollingers Skulpturen eine bestimmte Anzahl Stahlelemente erst durch das zuletzt eingesetzte Teil stabil und somit zum Objekt. Man muss seine Skulpturen ganz genau betrachten, um die Konstruktionsdetails zu erkennen.

Luke Zollinger war schon als Kind vom handwerklichen Gestalten begeistert. So erlernte er den Beruf des Ofenbauers, den er viele Jahre ausübte. Dabei sammelte er viel Erfahrung im Umgang mit ganz verschiedenen Materialien. Die Liebe zum Metall entstand durch das Konstruieren mit Stahl und das individuelle Erstellen von Ofenarmaturen.

Zollinger verwendet Stahl mit Patina und Rost und setzt seine Räder aus vielen Teilen zusammen. Beim Gestalten lässt er sich von anderen Formen wie einem Brückengewölbe oder einem Torbogen inspirieren und fügt die einzelnen Teile dann zum Kreis zusammen. Es können bis zu 91 Teile aus Stahl und 18 Seilspanner aus Chromstahl eingesetzt werden.

Eine äusserst spannende Skulptur mit einem Durchmesser von 156 cm und einer Tiefe von 35 cm besteht aus 67 Stahlteilen und einer Gewindestange aus Chromstahl. Hier werden die auf der Gewindestange liegenden runden Platten von den innen liegenden Muttern auseinander gestossen. Dadurch werden die Speichen gegen den äusseren, in einander verzahnten Ring gedrückt. Die einzelnen Teile des Rades sind durch den vom Zentrum nach aussen wirkenden Druck stabil verbunden.

Das grösste Rad steht im Museumsgarten. Es sind Skulpturen, die sehr gut in manchen Meilemer Garten passen würden, denn sie sind grosse Kunst und verkörpern noch grösseres Handwerk.

«Grundformen» im Ortsmuseum, Kirchgasse 14, Meilen. 16. März bis 7. April, Öffnungszeiten Samstag und Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr. Vernissage ist morgen Samstag, 16. März, 14.00 bis 16.00 Uhr.

xeiro ag