Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Gedanken zur Ausstellung im Ortsmuseum

Die Skiferien sind vorbei, und das Ortsmuseum hat seine Pforten zur Ausstellung über verschwundene Fabriken und Industrien wieder geöffnet. Damit beginnt die zweite Hälfte der Ausstellungsdauer.

Es ist eine Ausstellung, die nicht nur von Älteren besucht werden sollte, sondern die auch den Neuzugezogenen und Jungen einen interessanten Einblick in unser Dorfgeschehen gibt. Sie zeigt, wie unser Meilen während vieler Jahre ein Industrie- und Gewerbestandort war, in dem nicht nur wie heute meist geschlafen, sondern produziert und gearbeitet wurde. 

So verschwand im Laufe der Jahre ein Betrieb nach dem anderen. Anhand von alten Fotos und ausgestellten Werkzeuge kann man sich gut vorstellen, wie gearbeitet wurde. Wenn man die wenigen ausgestellten, von Vontobel gedruckten Plakate sieht, versteht man, dass die Schweiz während Jahren das Land mit den besten Werbegrafikern war. Heute ist unsere Werbung phantasie- und einfallslos. Damals aber schufen die besten Künstler der Schweiz in Zusammenarbeit mit den Grafikern und Druckern hervorragende Plakate. 

Man kann aber auch einen Blick in die Neuzeit werfen und sehen, wie den nicht mehr benötigten Fabrikarealen neues Leben eingehaucht wurde und sie in wunderschöne Wohnungen umgewandelt wurden.

Was sich leider auch änderte, ist, dass es im Gegensatz zu früher heute unter der Bevölkerung weniger Solidarität gibt, dafür aber vermehrt Standesunterschiede zu Tage treten. Man grüsst sich auf der Strasse immer weniger, ja man schaut oft weg, wenn man andere Menschen kreuzt, und erwidert den Gruss meist nicht. Die Sozialdurchmischung wird immer schlechter. Früher gingen der Direktor einer Grossbank und der Hilfsarbeiter zusammen auf den Zug, um gemeinsam zur Arbeit zu fahren, sassen gemeinsam im gleichen Abteil, plauderten und diskutierten, und beide waren gleich viel wert. Heute sitzt man sich stumm gegenüber und starrt nur noch aufs Handy. 

Die grossartige Ausstellung soll die Besuchenden auch daran erinnern, dass es immer alle Schichten einer Bevölkerung braucht, um erfolgreich zu sein, und sie zeigt auch, dass unsere Behörde viel unternimmt, damit wir nicht zur Schlafgemeinde werden. Sie ist hervorragend kuratiert, sehr gut ausgestellt und erklärt; sie ist für einen Familienausflug in die Vergangenheit unseres Dorfes bestens geeignet. Es ist auch immer jemand anwesend, der kompetent über die Geschichte der Betriebe Auskunft geben kann. Am 11. März referiert Dr. Peter Kummer um 19.30 Uhr im Löwen-Foyer zum Thema «Meilen 1920». 

 

xeiro ag