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Gast aus Ostasien

Sie hat eine stattliche Grösse von anderthalb bis zweieinhalb Zentimetern, sticht aber – wie andere Wildbienenarten – nicht: Die Asiatische Mörtelbiene wurde nun erstmals auch in Meilen entdeckt. Wer sie bemerkt, sollte die Sichtung melden.

  • Neu im Insektenhotel: Asiatische Mörtelbiene, bis 2,5 cm gross, mit rot-bräunlichem Pelz am Brustkorb, schwarzem Körper und dunklen Flügeln. Foto: David Weibezahl

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Der Meilemer David Weibezahl, der sich in seiner Freizeit mit Bienen beschäftigt, hat auf seinem Balkon Nistmöglichkeiten für Mauerbienen und Wildbienen geschaffen. Wie er sagt, befüllen «seine» Bienen ihre Nistlöcher jeweils ab März bis Juni. Indes: «Ende Juli 2019 tauchten bei den noch unbelegten Bohrlöchern meiner Insektenhotels drei wesentlich grössere und lautere Bienen auf.»

Vor gut zehn Jahren erstmals in Europa 

Mit Fotos und Videoaufnahmen der drei Gäste durchsuchte er das Internet und wurde schliesslich fündig: Bei den drei Bienen handelte es sich um Asiatische Mörtelbienen, die einige Millimeter grösser sind als Honigbienen und auch deutlich lauter surren.

Auf der Website des entomologischen Vereins Bern (EVB) kann man nachlesen, seit wann es diese Wildbienen in der Schweiz gibt und woher sie ursprünglich stammen, nämlich aus Japan, China, Korea und Taiwan. Bereits vor 25 Jahren wurden Exemplare in den USA gemeldet, 2008 traf man sie erstmals in Marseille. Vermutlich wurden die Tiere mit Schiffsladungen aus Holz von Asien nach Nordamerika und Europa gebracht, denn sie legen ihre Eier in totem Holz ab. Auf dem Landweg kamen die Wildbienen dann in die Schweiz, wo man sie erstmals 2010 im Tessin sichtete und seither unter anderem auch in der Gegend von Zürich. Offenbar bereitet ihnen die Überquerung der Alpen keine Probleme.

Bereicherung der Biodiversität?

Hierzulande kümmert sich vor allem der Entomologische Verein Bern (EBV) darum, die aus Ostasien stammende Wildbiene zu beobachten. Um die Ausbreitung der Tiere zu analysieren und Rückschlüsse auf ihr Nistverhalten zu ziehen, bittet der EBV darum, Sichtungen an Nistplätzen zu melden. 

«Es ist sicher eine gute Idee, Imker und Hobbyimker in der Region auf den neuen Gast aufmerksam zu machen», sagt David Weibezahl. Selber hat er die drei von ihm beobachteten Asiatischen Mörtelbienen bereits gemeldet, «um rechtzeitig etwaige Verdrängungen, Einflüsse oder Schädigungen durch die eingewanderte Art zu erkennen und die bei mir heranwachsenden Wildbienen zu schützen». Seiner Einschätzung nach belegen die Mörtelbienen allerdings nur leer gebliebene Nistbohrungen mit mehr als acht Millimetern Durchmesser.

Der EBV schreibt, die Wildbiene, die im Juli und August auftritt, sammle vornehmlich Pollen von asiatischen Zierpflanzen. Dadurch könnte deren Ausbreitung ungewollt gefördert werden. Andererseits könne man angesichts des Insektenschwunds in Mitteleuropa eine Bereicherung der Biodiversität auch willkommen heissen. 

Potentielle Sichtungen der Asiatischen Mörtelbiene bitte melden an Julia Lanner, Mail: asiatische_moertelbiene@outlook.com. 

Entomologischer Verein Bern, 

www.insekten-evb.ch

xeiro ag