Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Freude, Liebe, Hoffnung – auch in diesem Jahr

Dieses Foto entstand an einem Morgen am Anfang dieser Adventszeit. Ein Moment unvermittelter Freude. Christbaum und Regenbogen – zwei Zeichen von Hoffnung auf Frieden für die ganze Welt.

  • Foto: Jacqueline Sonego Mettner

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So einfach freudig beglückt Weihnachten feiern – es ist in diesem Jahr anders als sonst. Es ist zum einen schwerer. Zu sehr bedrücken die Ereignisse dieses Jahres. Die vielen Menschen, die an einem Virus verstorben sind, das sich als weit tückischer als eine Grippe erwiesen hat; die vielen Menschen, die noch lange an den körperlichen und seelischen Folgen dieser Erkrankung leiden; die vielen Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, die Selbstständigen, deren Lebenswerk zerrinnt, die Kulturschaffenden, die sich vor dem Leeren sehen und dazu eine Müdigkeit, die nicht nur die tapferen Frauen und Männer in der Pflege und der medizinischen Betreuung erfasst. 

Wo ist die Lücke für Gottes Licht?

Wie soll da Jauchzen und Jubel, Freude und Frieden unsere Herzen erfassen? Wo soll das Vertrauen herkommen auf diesen Gott, der mit seinem Licht alles Dunkle erhellt? Wo soll die Lücke herkommen, in welcher wir den Freiraum haben, das Kind zu sehen und vor Glück und Staunen niederzuknien vor ihm und gewahr zu werden, was es in uns weckt?

Den Hirten ähnlicher 

Es ist zum anderen vielleicht auch leichter als sonst. Viel vom üblichen Weihnachtsrummel fällt weg. Das ist schade und traurig und geht manchen an die Existenz. Doch es öffnet für die Menschen, die uns brauchen und die wir brauchen.Und es gibt die Gelegenheit, die alte Geschichte von der Geburt des Christkinds neu anzuschauen. 

Da waren diese Hirten. Von Weihnachtsstimmung konnte in ihrem Leben keine Rede sein. Sie waren arm und wenig geachtet. Ausgerechnet sie sahen als Erste das Leuchten in der Nacht, hörten als Erste das Wort von ihrem Gott, der nicht fern blieb, sondern zu ihnen kam, hineingeboren in das Leben eines armen Menschen, der mit seiner Liebe die Menschen aufweckt und gross macht. Denn mit ihm merkten sie, dass auch in ihnen Liebe, Mut, Freundlichkeit, Grossherzigkeit und Hilfsbereitschaft wachsen und zuinnerst die Ehrlichkeit, auch die eigene Traurigkeit zu sehen und mit ihr als grosser Kraft zu leben. Wir sind in diesem Jahr diesen Hirten ähnlicher als sonst. Das ist ein Geschenk. 

Lauschen und erzählen vom «Fürchte dich nicht»

Was uns mit ihnen in diesem Jahr ausserdem noch verbindet, ist die Sache mit dem Singen. Es waren damals bloss die Engel, die gesungen haben, und die Hirten haben sich auf das Lauschen verlegt. Das müssen wir leider heuer auch so machen. 

Aber diese Hirten haben erzählt. Ich stelle sie mir als eher mundfaule Gesellen vor und finde es beachtlich, dass sie nun gesprochen haben und zu Botschaftern wurden vom Frieden, der mit diesem Kind in die Welt kommen soll. Wenn wir in diesem Jahr weniger singen sollen unter unseren Christbäumen, so könnten wir dafür mehr erzählen. Erzählen, was gut war in diesem Jahr, wo etwas aufgeleuchtet hat von der Botschaft des Engels vom Frieden Gottes für diese Welt, welches «Fürchte dich nicht» wahr geworden ist bei uns. Ich bin unendlich dankbar für vieles, was mir und meiner Familie persönlich zuteil geworden ist in diesem Jahr. 

Hoffen und lieben – möglich gemacht vom Frieden Gottes

Und wenn ich darüber hinaus schaue, so sehe ich nicht wenig, was Grund gibt zur Hoffnung. So könnte das Jahr 2020 in der anderen grossen, weltweit bedrohlichen Krise zu einer Wende geführt haben, hin zu einer den Planeten noch rettenden Umweltpolitik. Der Regenbogen und der Christbaum – Zeichen für den Frieden, den Gott uns schenkt. Möge dieser Friede Ihnen allen auch in diesem Jahr zur Freude und zum Trost werden. Frohe Weihnachten! 

/Pfarrerin Jacqueline Sonego Mettner 

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