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Farbenpracht und Sehnsuchtsstimmung

Anfang Jahr feierte der Maler Vittorio Del Basso seinen 80. Geburtstag. Ihm zum Ehren wird im Ortsmuseum ein grandioser Überblick über sein Schaffen gezeigt.

  • Vittorio Del Basso: «Mädchen mit Hund».

  • Torso von David Pepe.Fotos: zvg

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Der Besucher der Ausstellung staunt über die Vitalität, Lebensfreude und Schaffenskraft von Vittorio Del Basso, der über eine bewundernswerte Phantasie und über eine überzeugende Vielfalt in seinen Arbeiten verfügt. Er scheut sich nicht, aus allen Stilepochen Elemente zu übernehmen, aber – und das ist das Bewundernswerte – er wird nie zum Kopisten, denn alle seine Werke tragen seine ganz persönliche Handschrift. 

Del Basso wurde 1938 in Bari als Sohn eines Marineoffiziers geboren und verbrachte deshalb seine Jugendjahre in verschiedenen Städten Italiens: Venedig, Florenz, Neapel und Carrara. Bevor er sich der Kunst zuwenden konnte, absolvierte er 1959 in La Spezia die Ausbildung zum Maschineningenieur.  Noch im selben Jahr zog der junge Ingenieur nach Venezuela, um beim Aufbau eines Stahl- und Gusseisenwerks mitzuhelfen. 

Bereits dort erhielt er den ersten Auftrag zur Ausführung eines Wandfreskos, das heute noch erhalten ist. 1963 zog es ihn als Spezialist für technische Explosions- und Phantomzeichnungen in die Schweiz in die Wagonsfabrik in Schlieren. 1969 übersiedelte er nach Feldmeilen und gründete hier sein sehr erfolgreiches Atelier, in dem er Arbeiten für Sulzer, ABB, Contraves, Die Yacht und viele andere selbstständig ausführte. 

Man spürt die Wucht der Wellen

Die Liebe zum Wasser, zum Meer zieht sich wie ein roter Faden durch Del Bassos künstlerisches Schaffen. In all den Jahren entstanden grossartige Meeresbilder, die den Betrachter förmlich in sich hineinziehen, die ihn die Wucht der Wellen spüren und die salzige Luft einatmen lassen. Auch der Himmel und die Wolken in den Meeresbildern zeugen von grossem malerischem Können. 

Del Bassos Bilder strahlen von einer wunderschönen Farbenpracht, wie sie fast nur ein Italiener malen kann. Blumen und Pflanzen spielen eine wichtige Rolle. In seiner Vorstellung werden sie zu selbstständigen Wesen. So liegt eine Amazone angelehnt an einen Baum am Meer und wird zum Bestandteil des Baumes. In einer mit warmen Grüntönen gemalten Urwaldlandschaft liegen schöne Leoparden- und Löwenfrauen auf Zweigen und lachen den Betrachter an. 

Die schwebende Kaffeetasse des zaubernden Künstlers

Besonders eindrücklich ist die Toskaner Landschaft, die im Treppenhaus des Museums hängt. Das Bild verfügt über eine herrliche Tiefe, dargestellt durch eine lange, von hohen Bäumen umsäumte Allee und führt wohl zu einem Landgut. Im Hintergrund sieht man die sanften toskanischen Hügel, in den Wiesen blühen die Mohnblumen, am Himmel braut sich ein Gewitter zusammen, und am Rand galoppieren zwei Pferde. Hier bekommt man Sehnsucht nach Italien: Del Basso ist ein Stimmungsmaler. 

Del Bassos Werk ist so vielseitig, dass nur ein kleiner Teil davon erwähnt werden kann. Da ist etwa auch eine im Dampf schwebende Kaffeetasse, die von zwei im Dunst Tanzenden gehalten wird. Oder Früchte und Gemüse, die im Stil des Photorealismus gemalt sind. Man möchte am liebsten zubeissen! Del Basso ist ein Zauberer, der uns mit seinen Werken beglückt.

Drei Dimensionen in Bronze

Der Dreidimensionalität widmet sich ein Verwandter von Dell Basso, der ebenfalls aus Bari stammt. David Pepe wurde 1966 in der Schweiz geboren, erwarb 1998 das Steinbildhauer-Diplom und arbeitet heute selbständig als Grabbildhauer. Er zeigt kleinere, aber wunderschöne Bronzefiguren, die er zum Teil auch selber giesst. 

Da ist einmal ein im klassischen Stil hervorragend modellierter, archaischer Torso, der über eine sehr schöne Bronzepatina verfügt. Ihm zur Seite stehen zwei aufrechte Frauenfiguren sowie zwei Buchstützen, eine Zierde einer jeden Bibliothek! Je ein kniender Mann, die Hände nach oben ausgestreckt, der die Bücher mit viel Kraft stützt. 

Daneben befindet sich eine eindrückliche, ungefähr zwei Meter hohe Holzfigur, die aus verschiedenen, in sich verschlungenen Figuren besteht. Sie stellt einen Menschenturm dar und wirkt sehr leicht, beschwingt und elegant.

Kunstausstellung 2+3 Dimensionen, Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse 14. Vernissage heute Freitag, 23. November, 18.00 Uhr. Offen Mittwoch 17.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 14.00 bis 17.00 Uhr. Bis 19. Dezember. Künstlerapéro: 9. Dezember, 11.00 bis 14.00 Uhr. 

xeiro ag