Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

«Es ist schwierig einzuschätzen, wie vernünftig die Leute sind»

Die ersten anderthalb Wochen mit den neuen Corona-Lockerungen sind vorbei, und in den letzten Tagen wuchs die Sehnsucht der Meilemer nach Planschen im See und Sport im Freien mit jedem Sonnenstrahl. Was ist erlaubt?

  • Die Badi Dorfmeilen soll vorerst vor allem als Parkanlage und Liegewiese genutzt werden, Baden ist jedoch erlaubt. Foto: MAZ

  • Gemeinderätin Irene Ritz ist verantwortlich für die Meilemer Strandbäder und Sportanlagen. Foto: zvg

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Dank der teilweisen Lockerung der Covid-19-Massnahmen konnten die Meilemer Strandbäder zwar ihre Türen öffnen, doch herrscht eine Art Winterbetrieb: Es ist kein Bademeister da, die Garderoben und Duschen sind geschlossen, die Badi dient als Parkanlage oder allenfalls als Liegewiese. 

Solange es bei kühlen Temperaturen regnete, war das kein Problem, doch jetzt kommt der Frühsommer. Für den regulären Badebetrieb hat der Bund noch keine Erlaubnis erteilt. Und am 8. Juni wird für die vorgesehene Wiedereröffnung ein detailliertes Schutzkonzept nötig sein.

Frau Ritz, wieso hat der Gemeinderat sich dazu entscheiden, die Badis zwar zu öffnen, jedoch ohne Aufsicht und nur als Parkanlagen? Man hätte sie ja konsequenterweise auch geschlossen lassen können, das wäre weniger verwirrend gewesen.

Wenn die Leute bei warmem Wetter an den See gehen wollen, dann tun sie das sowieso. Wir haben einigen öffentlichen Seeanstoss in Obermeilen, Dorf- und Feldmeilen ausserhalb der Badis, aber unsere Überlegung war, dass es besser ist, wenn die Meilemer mehr Platz, mehr Fläche haben, wo sie sich verteilen können. Geschlossen lassen würde bedeuten, dass die Menschen andernorts umso stärker zusammengedrängt sind.

Darf man überhaupt von der Badi Dorf, vom Strandbad Feldmeilen und vom Ländeli aus zum Baden ins Wasser?

Es ist nicht verboten, ins Wasser zu gehen, wie überall, wo es öffentlichen Seeanstoss gibt. Es hat aber keinen Bademeister. Genau das schreiben wir auch gross auf Plakaten: Wir verlangen kein Eintrittsgeld, im Gegenzug gibt es keine Aufsicht, keine Garderoben und so weiter. Es ist dieselbe Situation wie etwa im Feldner Horn, und wir gehen davon aus, dass die Leute das verstehen.

Stichwort Horn: Am ersten schönen Wochenende war dort die Wiese schon sehr gut und dicht mit Sonnenhungrigen belegt… könnte es passieren, dass der zum Horn gehörige Parkplatz geschlossen wird, wenn es zu viele Leute sind?

Wir haben den öffentlichen Grund bisher anders als gewisse andere Gemeinden ganz bewusst nicht abgeschlossen. Stattdessen waren und sind bei schönem Wetter Patrouillen des Zivilschutzes unterwegs, die zum rechten schauen. Wir haben damit in der Sportanlage Allmend gute Erfahrungen gemacht, die Hemmschwelle ist dank der Präsenz der Zivilschützer tatsächlich höher. Ausserdem ist die Polizei unterwegs, sie kennt ja die Hotspots.

Auf der Allmend darf nun wieder trainiert werden?

Ja, im Aussenbereich dürfen Einzelpersonen und die Schule trainieren sowie Vereine. Die Vereine müssen aber bei der Liegenschaftenabteilung ein Schutzkonzept vorlegen, das die Verwaltung dann absegnet oder zur Anpassung zurückweist, bis es «verhebet». So dürfen es zum Beispiel nicht mehr als fünf Personen inklusive Trainer sein, die Trainingsgruppen dürfen sich nicht kreuzen, man darf die Garderoben nicht nutzen und so weiter. Diese Schutzkonzepte kommen jetzt laufend zur Genehmigung bei uns herein.

Auch in der Halle selber dürften gemäss Bundesamt für Gesundheit Trainings stattfinden. Weshalb hat Meilen das verboten?

Weil es sich gar nicht umsetzen lässt – man müsste nach jeder Fünfer-Trainingsgruppe die Halle und die Sportgeräte reinigen. Zudem gibt es gerade bei den Vereinen, die drinnen trainieren, besonders viele Mitglieder aus Risikogruppen. 

Nochmals zurück in die Strandbäder: Wie sieht es mit den Badibeizen aus? Sind sie offen?

Sie dürfen offen haben, wie alle anderen Restaurants auch. Nicht zuletzt weil sie eine gewisse Vorbildfunktion haben, haben wir die betreffenden Wirte beziehungsweise Kioskbetreiber eng begleitet und unterstützend beraten, wie sie den Schutz der Gäste und ihrer Angestellten umsetzen können. Obwohl wir wissen, dass es schwierig ist, wenn man neben allem anderen auch noch darauf schauen muss, dass die Leute zwei Meter Abstand in der Warteschlange einhalten. Sehen wir, dass es nicht geht, sind wir auch bereit, die Beizen zu schliessen. 

Sie müssen ja sicher sowieso ständig bereit sein, nachzujustieren.

Ja, wir schauen vorzu, wie es läuft. Wir wollten nicht einfach alles zumachen. Aber es ist tatsächlich schwierig im Voraus einzuschätzen, wie vernünftig die Leute sind.

Arbeiten Sie bereits am Konzept für die erwartete Wiedereröffnung der Strandbäder am 8. Juni?

Dann werden wir auf jeden Fall zählen müssen, man spricht heute von einem Richtwert von einer Person pro 10 Quadratmetern Wiese. Das ist aber, wie vieles, noch nicht bestätigt. Sicher wird die Umsetzung sehr herausfordernd sein, damit die Zutrittsregelungen nicht als ungerecht empfunden werden.

xeiro ag