Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Erschöpft im Frühjahr?

Geht es Ihnen auch so, dass Sie sich trotz längst zurückliegender Fastnachtszeit immer noch erschöpft und müde fühlen? Oder hatten Sie einen grippalen Infekt, der vor Wochen abgeklungen ist, und dennoch sind Sie nicht fit?

Gerade jetzt kommen immer wieder Patienten in meine Praxis mit der Frage: Leide ich unter Frühjahrsmüdigkeit? Doch was steckt dahinter, und gibt es die Frühjahrsmüdigkeit wirklich?

Häufiger als eine nicht auskurierte Erkältung ist ein Eisenmangel im Blut für die Schlappheit verantwortlich. Die Eisenspeicher leeren sich über den Winter jeden Tag um eine winzige Menge. Frauen verlieren durch die monatlichen Blutungen darüber hinaus mehr Eisen und sind dadurch stärker gefährdet, eine Eisenarmut zu entwickeln. Verfügt der Mensch über zu wenig Eisen, können die roten Blutkörperchen im Organismus nicht mehr in ausreichender Menge gebildet werden, und es kommt zur Blutarmut. In der Folge nimmt der Körper weniger Sauerstoff auf, so dass die Muskeln zu wenig Energie aufbauen können. 

In diesem Fall erkläre ich meinen Patienten: «Wenn der Tank leer ist, fängt der Motor an zu stottern». Deshalb gebe ich meinen Patienten nach gründlicher Diagnostik ein Eisenpräparat in Tablettenform oder in schweren Fällen als Infusion.

Wenn ich keinen Eisenmangel diagnostizieren kann, überprüfe ich die Funktion der Schilddrüse, der Leber und des Blutzuckers. Aber auch eine beginnende Herzschwäche kann zu Müdigkeit und Erschöpfung führen. 

Was aber, wenn alle Ergebnisse im Normbereich liegen? Dann ist es mir wichtig, mit meinen Patienten über ihre Schlafgewohnheiten zu sprechen. Zu einer gesunden Schlafhygiene gehören: Abends keinen extremen Sport machen, fettes und schweres Essen vermeiden, mässig, besser noch keinen Alkohol trinken. Am Tag helfen mindestens 30 Minuten Bewegung bei Tageslicht zur Ankurbelung des «Glückshormons» Serotonin, welches wichtig ist für Stimmung und Vitalität. Ein weiterer, manchmal übersehener Aspekt bei unklarer Müdigkeit und Erschöpfung kann das Vorliegen einer Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis sein. 

Bleibt zum Schluss noch eine Frage: Könnte die Frühjahrsmüdigkeit auch eine Folge der Umstellung zur Sommerzeit sein? Eher nicht: Schlafmediziner haben festgestellt, dass es höchstens einen kurzzeitigen Zusammenhang gibt, da der Körper nur einen Tag zur Umstellung benötigt. 

Die gute Nachricht: Ob es nun kollektive Einbildung ist oder physiologische Realität – Krankheitswert hat die Frühjahrsmüdigkeit in den meisten Fällen nicht. 

Falls Sie dennoch Fragen haben, stehe ich Ihnen gern zur Verfügung. 

Dr. med. Andreas Bunk, Winkelstrasse 30, Meilen, Tel. 044 923 55 77

xeiro ag