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Energie in den Zwischenräumen

Galeristin Ute Barth ist es gelungen, einen der momentan wohl bedeutendsten Maler Deutschlands für eine Ausstellung in ihrer Galerie zu gewinnen. Die Schau bildet im Kunstkalender Zürichs einen absoluten Höhepunkt.

  • Eberhard Ross' Bilder sind farbgewordene Musik. Foto: zvg

  • Eberhard Ross' Bilder sind farbgewordene Musik. Foto: zvg

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Der 1959 in Krefeld geborene und heute in Mülheim an der Ruhr und in Frankfurt lebende Eberhard Ross erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Folkwanghochschule Essen bei Laszlo Lakner (experimentelle Gestaltung) und bei Friedrich Gräsel (plastisches Gestalten). 

Eigentlich fand er den Weg zur Malerei über die Schwarzweiss-Fotografie und die Zeichnung, doch es brauchte Mut, Farbe in seine Bilder zu bringen. Zu Beginn setzte Ross stets eine Linie in seine Werke, aus der sich dann alle weiteren Linien ergaben. Heute bestehen seine Bilder aus verschiedenen Farbschichten. So werden drei bis vier Farbschichten zart übereinander gelegt. Diese müssen dann trocknen, und anschliessend folgen die weiteren.

Für diese Malerei braucht es viel Erfahrung und Geduld, muss doch nach dem Trocknen der ersten Schichten der Duktus der Hand beibehalten werden, da sonst ein Bruch in der Wahrnehmung des Bildes entsteht. So muss oft bis zu zwanzig Stunden oder mehr ohne Unterbruch gearbeitet werden. 

Beim Malen lässt sich Eberhard Ross durch klassische Musik inspirieren. Es ist der Rhythmus der Musik, der seine Hand führt, die Struktur kommt erst später ins Bild. Den Zugang zur Abstraktion fand Ross durch seine Kinder. Sie lehrten ihn, mit Kinderaugen zu sehen statt mit dem Verstand. 

Man muss sich in die wunderschönen, irisierenden Farbtöne hinein begeben und sie lange betrachten – dann entdeckt man die Energie in den Zwischenräumen. Ross' Bilder sind nicht nur visuell, sondern gehen darüber hinaus, voller Harmonie und Musikalität. Ganz speziell sind die feinen Einritzungen im Bild, die an das ständige Werden erinnern. Ross' Werke sagen uns auch, dass Stillstand Tod und stete Verwandlung Leben bedeutet. Die Farbräume von unglaublicher Intensität sind voller pulsierender, einen sanften Klang evozierender Malerei und verweisen auf Arbeiten von Josef Albers, knüpfen aber auch an Werke von Mark Tobey an. 

Der Titel der hier gezeigten Bilder: «Refugium». Ein Refugium ist ein Zufluchts-, ein Rückzugsort, in dem man Ruhe und Sicherheit sucht. Ross' Bilder erzeugen eine Stille, in welcher der Raum zu einer Art Refugium wird. Die sehr fein überlagerten Bildschichten verschmelzen zu einer vibrierenden, farblichen Einheit und bringen die Bildkomposition auf faszinierende Art zum Leuchten und Klingen. Da wird Malerei zur Musik.   

Art Forum Ute Barth, Kartausstrasse 8, Zürich: Bilder von Eberhard Ross. Noch bis 18. Mai, offen Mittwoch bis Freitag von 12.00 bis 18.30 Uhr, Samstag von 12.00 bis 16.00 Uhr. 10. Mai, 18.00 Uhr: «Listening Session» mit Eberhard Ross. 

xeiro ag