Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Endlich wieder ein Jahreszeiten-Konzert!

Für den Anlass vor nur hundert erlaubten Zuhörern zog Mentorin und Bratschistin Annette Bartholdy zwei international bestbekannte Kollegen bei: den Geiger und Komponisten Ilya Gringolts und den Solo-Violoncellisten des Tonhalle-Orchesters Zürich, Thomas Grossenbacher.

  • Bratschistin Annette Bartholdy mit ihren Kollegen Ilya Gringolts und Thomas Grossenbacher. Foto: zvg

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Die Besetzung verhiess Höchst-Qualität, welche dann auch prompt geboten wurde.

Durchwegs gepflegte Tongebung

Johann Sebastian Bach hat seine dreistimmigen Sinfonien für ein Tasteninstrument vorgesehen. Ihre Stimmen sind aber derart eigenständig, dass sich die instrumentale Ausführung mit Streich- oder Blasinstrumenten geradezu aufdrängt. Die Künstler wählten die acht ersten Sinfonien aus, in denen sie mit differenzierten Gang- und Spielarten ihre grosse kammmermusikalische Erfahrung aufzeigten: klangvoll stiegen sie ein, liessen fliessendes Laufwerk in allen Stimmen hören, trennten filigrane Oberstimmen gekonnt vom Bass, sodass Strukturen und Stimmenaufteilung trotz halliger Kirchen-Akustik recht klar nachvollzogen werden konnten. Die durchwegs gepflegte Tongebung gefiel enorm, zur Stimmen-Gestaltung gesellte sich ausgewogene Klanglichkeit im Ensemble, auch die Dynamik erfuhr sinngemässe Strukturierung.

Passendes Kolorit

Alfred Schnittke lebte von 1934 bis 1998 und schrieb sein Streichtrio 1985 zu Ehren des Wiener Komponisten Alban Berg. Das zweisätzige Werk ist gleichsam eine Huldigung an die weite Palette menschlicher Gefühle, und die drei Künstler gingen das Wunderwerk mit Impetus und Feinfühligkeit an, die verschiedenen Gangarten toll darstellend. Redimensioniertes Vibrato verlieh den homophonen Stellen passendes Kolorit, Pianissimo vom Feinsten und gekonntes Sul-ponticello-Spiel trugen das Ihre dazu bei. Rhythmisch, dynamisch und agogisch ein perfektes Zusammenspiel. Das Ausklingen im Pianississimo rundete das Stück aufs Schönste ab.

Frühlingshafte Spielfreude 

Ludwig van Beethoven wurde 2020 anlässlich seines 250. Geburtstages (noch vor der Corona-Krise) ausgiebig gefeiert. So war es willkommene Erinnerung, seinem Streichtrio G-Fur op. 9/1 neuerlich zu lauschen. Die Begeisterung der drei Musiker für das Werk übertrug sich sofort auf das Publikum – nach der langsamen Einleitung war die Faszination im Kirchenraum spürbar. Das Zusammenspiel in Parallelen war so perfekt wie behendes Laufwerk in allen drei Stimmen, abgestufte Dynamik trug zum Musikgenuss bei. Die frühlingshafte Spielfreude des Presto stand als Gegenpol zur Melancholie, ehe in der Coda stürmisches Draufgängertum von vollstem Einsatz zeugte, man hätte gerne noch länger zugehört.

Riesen-Applaus war nur logische Folge derartig faszinierenden Tuns.Freuen wir uns auf die nächste Veranstaltung: Am 5. September spielt das Norea-Trio zwei Klaviertrios (H-Dur op. 8 und c-moll op.101)von Johannes Brahms.

xeiro ag