Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Eine schöne Illusion

Gemäss Erläuterungen des Meilener Gemeinderats wird die Begegnungszone die Dorfstrasse zu «einer attraktiven Einkaufsstrasse machen» sowie «den Verkehrsfluss deutlich verbessern». Und mit einer schönen Bildsimulation zeigen die Erläuterungen, wovon der Gemeinderat träumt: acht Fussgänger, eine Velofahrerin, ein frei fahrender Bus, vier ordentlich parkierte Autos und kein einziges fahrendes Auto.

Gleichwohl kann einem Gutachten zufolge «von einer geringen Verkehrsverlagerung ausgegangen werden». Wer an so viel Gutes glaubt, stimmt natürlich für die Begegnungszone. Denn dann ist sie die 825‘000 Franken Zusatzkosten fraglos wert. Doch ist es glaubwürdig und ist so viel Fraglosigkeit angebracht?

Die heutige Verkehrssituation ist unbefriedigend, weil wegen der täglich rund 7000 Zentrumsdurchfahrten zuweilen Verkehrsüberlastung herrscht und sich der grosse Auto- und Fussgängerverkehr gegenseitig stören. Wenn nun das Dorfzentrum tatsächlich so wie vom Gemeinderat erhofft fürs Einkaufen attraktiver wird und der Verkehr besser fliesst, ist das nicht wie vom Gemeinderat angenommen das Ende der Geschichte, sondern kann nur eines heissen: Dann gibt es zusätzlichen Autoverkehr, denn das neue Zentrum wird auch für den Zielverkehr und den Durchgangsverkehr attraktiver. Dieser Mehrverkehr aber fehlt in allen Analysen und Gutachten – und auf den schönen Bildsimulationen. 

Wenn das Dorfzentrum wirklich attraktiver werden soll, aber trotzdem kein Mehrverkehr entstehen soll, gibt es nur zwei realistische Möglichkeiten: Entweder muss die Durchfahrt für den Autoverkehr unangenehmer werden. Dazu muss der Verkehrsfluss nicht wie vom Gemeinderat vorgesehen verbessert, sondern verschlechtert werden. Dann aber ist die Dorfstrasse nicht leer, sondern voll von sich stauenden Autos und genervten Autofahrern.

Oder der Verkehr muss auf Umfahrungsrouten verlagert werden. Das aber ist in keinem Plan und Gutachten vorgesehen. Vielmehr ist beabsichtigt, das Ausweichen über die Bruechstrasse durch «flankierende Massnahmen» (Tempo 30) zu verhindern. Zugleich betonen die Gutachten, dass nur sehr wenig Verkehr auf die Seestrasse ausweichen wird.

Aufgrund dieser im Übrigen schon an der Gemeindeversammlung vorgetragenen und vom Gemeinderat unbeantwortet gebliebenen Überlegungen bin ich weiterhin überzeugt, dass das Projekt des Gemeinderats noch nicht ausgereift ist. Seine Rechnung «bisheriger Verkehr von 7000 Autos + Bewegungsfreiheit für Fussgänger + attraktiveres Dorfzentrum + kaum Verkehrsverlagerung = besserer Autoverkehrsfluss» geht nicht auf. 

 

xeiro ag