Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Eine chugelirunde Sache

Die «Chugelibirne» ist nach 25 Jahren Abwesenheit wieder auf die Obermeilemer Aebleten zurückgekehrt und wird in einigen Jahren zum ersten Mal Früchte tragen.

  • Die kugelrunde Bratbirne wurde von der Vereinigung Fructus zur Obstsorte des Jahres 2020 gekürt. Fotos: MAZ

  • Edwin Bolleters Kinder Lukrecja (4) und Julian (7) sind stolz auf ihren Chugelibirnenbaum.

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Der Verein Fructus hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte, vergessene oder vom Aussterben bedrohte Obstbaumsorten aufzuspüren, zu erhalten und wieder zu verbreiten. Dieses Jahr lenkt er die Aufmerksamkeit auf eine Birnensorte, die früher rund um den Zürichsee bei  vielen Bauernhöfen und in Privatgärten wuchs, aber in den letzten Jahren immer seltener wurde. Heute gibt es in der Schweiz nur noch wenige Bäume dieser alten Sorte. 

Der Mutterbaum sorgte für Nachwuchs

Die Schweizer Bratbirne, wie das Obst korrekt heisst, ist sehr spätreif, klein, kugelrund und hat wenig Saft. Sie kann aber Frost aushalten und ist den ganzen Winter über essbar. Da sie roh nicht besonders gut schmeckt, wurde sie zum Kochen verwendet: Etwa als Beilage zu einem Braten oder mit Zuckerwasser karamellisiert als Dessert. Auch mit Butter gegart sorgte die Chugelibirne im Winter für Abwechslung auf dem Tisch. 

In Höri im Unterland steht bis heute ein alter Mutterbaum der Bratbirne. Von diesem Baum wurden einjährige Triebe geschnitten und vermehrt, und heute ist die Chugelibirne in der Baumschule Toni Suter (www.tonisuter.ch) in Baden wieder als Jungbaum erhältlich – auch für Private. 

Goldparmäne und Schneiderapfel

Wie ein Chugelibirnenbaum aussieht, kann man auf dem Hof der Familie Bolleter sehen. Dort wachsen rund 80 Hochstammbäume, darunter eben auch Raritäten, so etwa die kleine Julibirne, die schon im Sommer reif ist, aber rasch teigig wird. Oder die Apfelsorte Goldparmäne, die, wenn ausgereift, mit ihrem kräftigen Aroma viele neuere Sorten übertrumpft, und der Schneiderapfel, der einen feinen Süssmost ergibt und nicht gespritzt werden muss. Auffallend sind die Mostbirnenbaumriesen, die im Frühling mit ihrer Blütenpracht die Spaziergänger begeistern. Blühen wird dieses Frühjahr auch der Chugelibirnbaum, doch bis die heutigen Jungbäume die ersten Früchte tragen, ist Geduld angesagt – es wird bis zur ersten Ernte rund acht Jahre dauern.

www.fructus.ch/obstsorte-des-jahres

 

xeiro ag