Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Ein Virus reist um die Welt

Augenfälliger wäre die Überschrift: «Ein Virus hält die Welt in Atem», aber das Gegenteil ist der Fall: Das Virus nimmt der Welt den Atem, im physischen wie im übertragenen Sinn.

 

Der kleinste Krankheitserreger zwingt die Menschheit rund um den Globus, ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Ob man seine Existenz leugnet oder sich vor ihr fürchtet – man kann das Virus und seine Folgen schlicht nicht ignorieren. Es hat sich klammheimlich in unseren Alltag geschlichen, hat unsere Ordnung, unsere Gewohnheiten und unser Selbstverständnis auf den Kopf gestellt. Es hat Krisen ausgelöst.

Virologen, Ärzte, Psychologen, Politiker, Journalisten, Verschwörungstheoretiker – sie alle melden sich mehr oder weniger laut zu Wort, und wir Laien hören zunehmend verunsichert zu. Wessen Theorie stimmt, wer weiss mehr als alle andern, wer vertritt meine Interessen? Diese Verunsicherung kann Angst oder Frustration auslösen. Leider ist es auch nicht unbedingt hilfreich, wenn die Bevölkerung von morgens bis abends mit Informationen überschüttet wird, die kaum noch zu verdauen sind.

Wie also sich verhalten, ohne den Boden unter den Füssen zu verlieren? Nicht alle Menschen sind von der Pandemie gleich schwer betroffen. Aber viele leiden beträchtlich unter den Begleiterscheinungen dieser Ausnahmesituation. Abgesehen von teilweise existenziellen wirtschaftlichen Einbussen wird unser Seelenleben auf eine harte Probe gestellt. Dies kann fatale Folgen haben. Depressionen nehmen zu, Vereinsamung wird plötzlich zum Thema, und Aggressivität breitet sich aus. 

Es braucht stabile psychische Ressourcen, um der täglichen Bedrohung durch das Virus standzuhalten. Ablenkung von aussen funktioniert nicht mehr, persönliche Kontakte fallen weg, und das schon seit geraumer Zeit. Wir müssen uns auf uns selbst besinnen und Wege finden, trotz  aller Widrigkeiten das innere Gleichgewicht zu halten. Als Laie weiss ich, wie schwierig das ist. Es fällt wohl den meisten Menschen schwer, Opfer zu bringen; die Akzeptanz der Einschränkungen und Verbote setzt in erster Linie Einsicht voraus, Einsicht in Dringlichkeit und Wirksamkeit der Massnahmen. Und dennoch fällt es schwer, auf eine bessere, virusfreie Zukunft zu hoffen.

Es gibt leider kein allgemeingültiges Rezept, wie man diese schwierige Zeit am besten übersteht. Aber etwas ist gewiss: Vergessen wir ob all den Negativ-Nachrichten nicht die positiven Aspekte im Alltag, und seien sie auch noch so unscheinbar, denn ohne die bewusste Wahrnehmung von erfreulichen Zeichen, Worten oder Gesten gelingt es uns nicht, die Pandemie unbeschadet zu überstehen.

xeiro ag