Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Ein riesiger Strauss Infos zum Frühstück

Der traditionelle frühmorgendliche «Gewerbezmorge», den der Gemeinderat jeweils im Januar für die Meilemer Vertreter von Industrie, Gewerbe und Handwerk ausrichtet, lockte auch dieses Jahr rund 70 Gäste in den Löwen-Saal.

  • So könnte die geplante Begegnungszone der Dorfstrasse aussehen – ohne rote Kreise am Boden. Grafik: OSMB Architekten AG

  • Der Eingangsbereich zur Begegnungszone, wie er sich aus Richtung Osten präsentiert; rechts der Bushof, links die Abzweigung in die Bahnhofstrasse. Grafik: OSMB Architekten AG

  • Am Dienstag gab's im «Löwen» Gipfeli und Informationen für Meilemer Gewerbler. Foto: MAZ

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Bei diesem Anlass werden Kaffee, Gipfeli, Käse und Aufschnitt serviert, währenddem Vertreter des Gemeinderats referieren. Es geht darum, den Kontakt zwischen Politik, Behörden und Gewerbetreibenden in Meilen zu festigen, denn nicht alle, die in Meilen eine Firma leiten oder besitzen, wohnen auch im Dorf. Deshalb besuchen sie keine Gemeindeversammlungen und sind unter Umständen über die aktuellen politischen Geschehnisse in Meilen nicht auf dem Laufenden. 

Legislaturziel «aktives Miteinander»

Während in manchen Jahren als Beilage zum Frühstück ausserdem der eine oder andere «Primeur» serviert wird, sind andere Jahre eher eine Tour d’horizon im Schnellzugstempo durch aktuelle, laufende und geplante Projekte – so auch am vergangenen Montag. 

Als erstes blickte Gemeindepräsident Christoph Hiller zurück auf besonders wichtige oder schöne Veranstaltungen des letzten Jahres. Am 1. September etwa besuchte der Gemeindepräsident sechs Anlässe vom Dorfrundgang über «25 Jahre Spitex» bis zum Obermeilemer Riesen-Klassentreffen. Damit ist er ein gutes Vorbild, denn wie er später im Zusammenhang mit den neuen Legislaturzielen 2018-2022 ausführte, ist es dem Gemeinderat sehr wichtig, dass die Einwohner sich mit Meilen identifizieren und sich für ein aktives Miteinander einsetzen: «Meilen ist regionales Zentrum und bewahrt dennoch seinen lokalen Charakter» lautet eine der «Visionen», die in einem Workshop erarbeitet wurden.

Gewerbefreundliche Haltung

Während die Gäste sich die zweite Tasse Kaffee einschenken liessen, referierte Gemeinderat Heini Bossert, Hochbau, über den aktuellen Stand der Ortsplanung. Der kommunale Richtplan ist seit einem Jahr in Kraft, aktuell wird die Richtplanung in die Nutzungsplanung übersetzt. Revisionsthemen wie die Bevorzugung von Mischnutzungen und die fallweise Aufhebung von Einschränkungen bezüglich Verkaufsflächen sollen dem Gewerbe zugutekommen und letztlich Arbeitsplätze schützen, so Heini Bossert.

Die gewerbefreundliche Haltung der Gemeinde zeigte sich auch darin, dass sie für das Migros-Projekt in der «Beugen» die Baubewilligung erteilte. Das Baugesuch nach Regelbauweise, kombiniert mit Gewerbe und Dienstleistungen, ist indes zurzeit vom Baurekursgericht blockiert. Es sieht das Projekt als Einkaufszentrum und somit gemäss aktueller Bau- und Zonenordnung (BZO) als unzulässig. Die Meilemer Baubehörde hingegen wertet Do it, Garten- und Fitnesscenter als Fachmärkte und deshalb als unproblematisch. «Wir planen, die BZO entsprechend anzupassen, damit zukünftig solche Probleme nicht mehr auftreten. Allenfalls wäre auch ein Gestaltungsplan für das Areal denkbar», sagte Heini Bossert.

Christoph Hiller berichtete vom aktuellen Stand beim Markthalle-Projekt im Dorfzentrum. Noch dauert die öffentliche Auflage des privaten Gestaltungsplans an (bis 29. Januar). Als nächstes soll ein Baurechtsvertrag mit den Investoren ausgehandelt werden, im Juni oder September dieses Jahres sollen Gestaltungsplan und Baurechtsvertrag vor die Gemeindeversammlung kommen. Nachdem der ursprünglich vorgesehene «Ankermieter» Volg abgesprungen ist und lieber am alten Standort an der Dorfstrasse bleibt, laufen Verhandlungen mit anderen Interessenten aus dem Detailhandel.

Dorfstrasse ohne rote Punkte

Ein weiteres wichtiges Projekt für Meilen ist die Sanierung der Dorfstrasse mit Umgestaltung in eine Begegnungszone (Tempo 20). Gemeinderat Peter Jenny machte darauf aufmerksam, dass die Gemeindeversammlung vom 5. Dezember 2017 behördenverbindlich festgesetzt hat, der Raum Dorfstrasse von Burg- bis Bahnhofstrasse solle den Anforderungen einer Begegnungszone genügen. Die aufgemalten roten Kreise hingegen müssten nicht unbedingt sein. «In einer ersten Phase würden wir das Projekt ohne Kreise realisieren.» Tempomessungen während einem Jahr sollen dann zeigen, ob die 20 km/h auch ohne die von der Bevölkerung wenig geliebten roten Flecke eingehalten werden. Falls ja, kann auf sie verzichtet werden. 

In der Begegnungszone sollen entlang der Dorfstrasse statt 24 nur noch 17 weisse Parkfelder zur Verfügung stehen. «Im Parkhaus gibt es 208 Parkplätze für die Öffentlichkeit», sagte Peter Jenny. Ob diese allenfalls für die erste halbe oder ganze Parkier-Stunde gratis werden, wie es sich der Handwerks- und Gewerbeverein wünscht, hängt laut Christoph Hiller davon ab, ob das Dorfstrasse-Projekt angenommen wird. Kosten wird es total 3,88 Millionen Franken, wovon mehr als drei Millionen auf die notwendige Sanierung von Dorfstrasse, Dorfbachbrücke und Kanalisation entfallen. 

Bevor das Projekt am 4. März vor die Gemeindeversammlung kommt, veröffentlichen die Gemeindebehörden heute, am 11. Januar ihren Bericht zu den Einwendungen. «Dort können Sie auf 50 Seiten im Detail nachlesen, wie die Antworten auf Ihre Einwendungen lauten», sagte Peter Jenny, der anschliessend weitere aktuelle Bauprojekte vorstellte – vom Knoten Burg-/Bruech-/Rainstrasse («wir sind gut im Plan») bis zur Seeanlage, wo in einigen Monaten die neuen Pappeln gepflanzt werden. Zudem wird der Oberbau saniert, weshalb die Anlage Februar bis Mai gesperrt ist.

Viele aktuelle und geplante Bauprojekte

Auch Liegenschaften-Vorsteherin Irene Ritz konnte den Frühstückenden von acht Projekten berichten, so etwa von Plänen für bezahlbaren Wohnraum auf dem Areal Stelzen, im Tobel (Baugenossenschaft Pfannenstiel) und in der Feldner Weid (Projekt Burkwil). Weiterhin blockiert ist wegen einem Nachbarschaftsrekurs die neue Einstellhalle für die Feuerwehr. Aktuell saniert wird die Badeanlage Ländeli. Die Schule benötigt diverse Raumerweiterungen sowohl in Feldmeilen als auch in Obermeilen und auf der Allmend, weil der Schülerzuwachs unerwartet hoch ist.

Obwohl die Anwesenden inzwischen bei der dritten Tasse Kaffee angelangt und mit Infos bereits gut gefüttert waren, erläuterte ihnen Gemeinderätin und Finanzvorsteherin Verena Bergmann-Zogg das Budget 2019, das trotz Steuererhöhung nicht allzu rosig aussieht: «Was mir am meisten Sorge bereitet, ist ein allfälliges Liquiditätsproblem.»

Kurz vor Abschluss der Veranstaltung präsentierte Gemeinderat Hanspeter Göldi noch das Forum Berufsbildung. Gemeinderat Peter Jenny berichtete, dass Mitte Jahr die neue Infrastruktur Zürichsee AG (infra) rückwirkend auf den 1. Januar 2019 gegründet wird und wie empfehlenswert gut die im Sommer 2018 aus der Taufe gehobene Didico AG als Nachfolgerin von meifi.net arbeitet. Auf die Frage von HGM-Präsident Marcel Bussmann, ob sich die Gemeinde den Gewerbezmorge 2020 wohl überhaupt noch leisten könne, versicherte der Gemeindepräsident, man dürfe sich bereits jetzt als Termin den 7. Januar 2020 in die Agenda schreiben. 

xeiro ag