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Ein neues Gesicht für klassische Grundformen

Am vergangenen Samstag fand die Vernissage der aktuellen Ausstellung im Ortsmuseum Meilen statt. Die Ausstellung zeigt Bilder von Nathalie Detsch Southworth und Stahlskulpturen von Luke Zollinger.

  • Luke Zollinger und Nathalie Detsch Southworth präsentieren beeindruckende Werke im Ortsmuseum. Foto: MAZ

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Der Ausstellungtitel «Grundformen», lässt es vermuten: Sowohl die Bilder von Nathalie Detsch Southworth wie auch die Stahlskulpturen von Luke Zollinger sind geprägt von Grundfomen wie Kreis, Linie etc. Die Inspirationsquellen und vor allem die Umsetzung des Begriffs «Grundformen» ist allerdings bei den beiden Künstlern unterschiedlich. Während sich Nathalie Detsch mit unterschiedlichen Grundformen auseinandersetzt, steht bei Luke Zollinger der Kreis klar im Fokus. Die Laudatio hielt an der Vernissage Kunsthistoriker Rudolf Velhagen.

Reisen als Inspirationsquelle

Begegnungen mit anderen Kulturen auf ihren Reisen sind für Nathalie Detsch Southworth eine der Hauptinspirationsquellen. Aber auch der Besuch in Museen, Bücher über die Geschichte der Kulturen oder Archäologie, die fantasievolle Wahrnehmung von Kindern oder die Musik inspirieren die Künstlerin. «Ein Blick auf die Bildtitel genügt, um die verschiedenen Inspirationsquellen zu erfassen», sagte Rudolf Velhagen. Er zitierte den deutschen Philosophen, Anthropologen und einer der Hauptvertreter des Deutschen Idealismus Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, der die Kunst an die Spitze des Erkennens und Erkundens unserer Welt stellt. Einzig die Kunst sei fähig, die Welt als Gesamtes begreifen zu können. Es ist die Kunst und die mit ihr verbundene Vorstellungsleistung, die in ihr steckt, unsere Welt zu analysieren. Rudolf Velhagen sagte, es sei nunmehr die Aufgabe des Künstlers, das Verhältnis zwischen Kunst und Wirklichkeit zu definieren. «Bei Nathalie Detsch Southworth ist dieses Verhältnis durch eine latente Abstraktion erkennbar», so Rudolf Velhagen und erklärt: «Nicht das rein 'Geometrisch-Lineare', sondern vielmehr das 'Kurvig-Lineare' überwiegt. Kraftlinien, Energielinien, Energiefelder.» Man könne vielleicht auch von «Kräfte der Stimmung» sprechen. Das gelingt Natalie Detsch in ihren Bildern.

Der Kreis als ursprünglichste Grundform überhaupt

Die Grundlage von Luke Zollingers Arbeiten ist die Faszination für die einfache Form des Rades. Das handwerkliche Gestalten hat Luke Zollinger schon als Kind viel Freude bereitet und in seiner langjährigen Tätigkeit als Ofenbauer konnte der Künstler viel Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Materialien sammeln. Das physikalische Zusammenspiel von Druck und Zug muss genau stimmen, um die Skulpturen zu fertigen. «Eine bestimmte Anzahl der Stahlelemente wird erst durch das zuletzt eingesetzte Element stabil und damit zum Objekt vereint. Keine einzige Verbindung ist verlötet oder verschweisst. Durch genaues Betrachten der Skulpturen können die Konstruktionsdetails klar erkannt werden», sagt der Kunsthistoriker. Auch in den Werken von Luke Zollinger gehe es nicht einzig um die technische Virtuosität, sondern um das Untersuchen und Thematisieren einer Grundform. In seinem Fall sei es der Kreis, der in sämtlichen Kulturen und Religionen eine fundamentale Rolle spiele. «Das sich drehende Rad wird in fast allen Kulturen als Weg in die Vollkommenheit betrachtet.»

Die Kunstwerke der beiden Künstler lassen viel Spielraum für eine eigene Interpretation, eine eigene Wahrnehmung. Beiden gelingt es, klassischen Grundformen ein neues Gesicht zu geben.

Die Ausstellung «Grundformen» im Ortsmuseum Meilen dauert noch bis am 7. April 2019. Das Museum ist jeweils am Samstag und Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Luke Zollinger ist jedes Wochenende anwesend. Nathalie Detsch Southworth am Sonntag, 24. März.

 

 

xeiro ag