Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Ein hübscher und seltener Gast

Gleich zwei Leserinnen schickten uns Fotos von grossen Vögeln, die ihnen in der zweiten Januarhälfte auf einer Wiese im Quartier Halten aufgefallen sind. Dabei handelt es sich um den gefährdeten Grossen Brachvogel.

  • Zwei von rund fünfzig: Die Brachvögel versammelten sich auf einer Wiese im Quartier Halten. Foto: Colette Fermaud

  • Auch ein Storch kam zu Besuch. Foto: Michaela Sterl

1/1

Rund 50 Tiere konnte Michaela Sterl zählen. «Die Vögel sind auch vielen Spaziergängern aufgefallen, die sie fotografiert haben», schreibt sie uns. Für Entzücken habe auch der melodiöse, «flötentonartige» Ruf der Vögel gesorgt. Zum wahren Vogelparadies wurde die Wiese unterhalb der Geisshalden, als dort zusätzlich einer der Meilemer Störche nach Würmern stocherte – die Störche statten ihrem Hochsitz beim Bezirkgsgebäude bereits wieder regelmässige Besuche ab. Auch Anwohnerin Colette Fermaud hatte die Grossen Brachvögel direkt vor Augen und fotografierte sie bequem vom Küchenfenster aus.

Bis zu einem Meter Flügelspannweite

Der zu den Schnepfen gehörende Grosse Brachvogel ist graubraun, mit langen Beinen und langem, abwärts gebogenem Schnabel. Männchen und Weibchen sind äusserlich nicht zu unterscheiden. Mit ihren bis zu 60 Zentimetern Länge und einer Flügelspannweite von bis zu einem Meter sind die hübschen Vögel nicht zu übersehen, die ursprünglich vor allem in Moorgebieten heimisch waren. Doch sie sind in der Schweiz zunehmend selten geworden.

Es gibt zu wenig Feuchtgebiete

Hauptgrund für ihr Verschwinden ist der grosse Flächenverlust der Feuchtgebiete durch Meliorationen in den letzten 150 Jahren. Die verbleibenden Restflächen sind zu klein für viele andere Arten, darunter auch den Grossen Brachvogel. Seinen Status in der Schweiz um-schreibt die Vogelwarte (www.vogelwarte.ch) deshalb mit «regelmässiger, aber spärlicher Durchzügler und Wintergast, unregelmässiger Brutvogel». Es ist Jahre her, seit letztmals hierzulande ein Grosser Brachvogel auf einem Gelege beobachtet wurde – das Nest befindet sich am Boden, gebrütet wird zwischen Mitte April und Mitte Juni. Als vom Aussterben bedrohte Art steht der Brachvogel auf der Roten Liste. Im Winter ist er in der Schweiz am ehesten am Bodensee, am (oberen) Zürichsee, am Neuenburgersee und am Genfersee anzutreffen. Und manchmal sogar auf einer Wiese in Obermeilen.

Sehr viele Wasservögel gezählt

Möglicherweise hängt ihr Besuch mit der Kälte in Russland und Nordosteuropa zusammen. So wurden kürzlich auf dem Neuenburgersee so viele Wasservögel gezählt wie seit den Neunzigerjahren nicht mehr: Die aktuelle Zählung ergab 87'920 Exemplare und damit 34'000 mehr als vor einem Jahr. «Die Kälte hat die Vögel dazu gedrängt, weiter nach Süden zu ziehen», erklärte ein Mitarbeiter des Naturschutzgebietes, in dem die Vogelzählung durchgeführt wurde.

xeiro ag