Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Ecos «Der Name der Rose» überzeugt auf der Bühne

Die zahlreich erschienenen Besucher – 225 Personen füllten die Sitzreihen komplett – genossen die abendliche Milde auf dem Areal des Parktheaters Meilen und grosse Literatur in grossem Rahmen.

  • Mittwochgesellschaft Meilen

    Showdown auf der Parktheaterbühne: Das Ensemble aus Berlin in Aktion. Fotos: MAZ

  • Mittwochgesellschaft Meilen

    Gert Melzer hatte einen starken Auftritt als Jorge von Burgos.

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Schon der von der Wunderly-Böhme-Stiftung offerierte Apéro verbreitete zuversichtlich-wohlige Atmosphäre als tolle Einstimmung auf den Abend.

Perfekte Organisation und Zusammenarbeit

Der Co-Präsident der organisierenden Mittwochgesellschaft, Alain Chervet, verdankte in seiner aus dem Stegreif gehaltenen Kurzbegrüssung nicht nur das wiederum gewährte Gastrecht auf dem Areal der Wunderly-Böhme-Stiftung und die nötig gewordene Bühnenerweiterung von Trachsels vom Feldmeilemer Atelier Theater, sondern auch die gemeindeeigene Technikbedienung (Philipp Koller aus Rüti). Dass Alain Chervet ehedem mit dem Berliner Redaktionsmitglied Dennis Schönwetter (im Stück der Sargträger) die Situation im Parktheater Meilen bei Regenwetter besprochen hatte: Das i-Tüpfelchen!

Gedrungene Theater-Fassung des 700-seitigen Romantextes 

Ein gross angelegtes Prosawerk auf eine Bühnenfassung zu reduzieren, stellt eine grosse Herausforderung dar. Die Bearbeiter Claus J. Frankl und Regisseur Wolfgang Rumpf meisterten ihre Aufgabe hervorragend: Der 1978 von Umberto Eco angegangene und 1980 erschienene Mittelalter-Roman erfährt gut nachvollziehbare Gestaltung auf begrenztem Bühnenraum. 

Die schauspielerischen Leistungen vermochten durchwegs zu überzeugen: Matti Wien (William von Baskerville), Felix Isenbügel (Benediktinernovize Adson), Karl-Heinz Barthelmeus (Abt Abbo), Gert Melzer (Jorge von Burgos), Wesselin Georgiew (Abteiverwalter Remigius/Cellerar), Alexander Altomirianos (dessen Gehilfe Salvatore), Silvio Hildebrandt (Bibliothekar Malachias von Hildesheim), Wolfram von Stauffenberg (Gehilfe Berengar von Arundel/Bernardos Hauptmann), Alejandro Ramón Alonso (Botanikus Severin von Sankt Emmeram), Mattis Nolte (kurzzeitig für den erkrankten Peter Groeger als Alinardus von Grottaferrata eingesprungen), Kai-Peter Gläser (Venantius von Selvemec/Inquisitor Bernardo Gui), Mario Krüger (Benno von Uppsala), Jenny Löffler (Mädchen, vielleicht die Rose) und Ulrich Voss (Stimme des alten Adson). 

Das 1327 angesiedelte Geschehen wurde verschiedentlich von symbolisch-passenden Glockenschlägen (aus Lautsprechern) untermalt, Aristoteles-Texte wurden als von plebejischen «Lügnern» stammend und darum heidnisch angeprangert, dieweil Psalmen, weil von Gott stammend, Wahrheit darstellen sollen. 

Die krimiartige Hinterfragung des Originaltextes war gut nachvollziehbar. Zitate wie «...ein Mönch ermordet den andern» und die kommissarhafte Hinterfragung Williams verstärkten diesen Eindruck merklich. Mittels in mehrdeutigem Sinne aufgesetzter Brille können Texte gelesen und begriffen, Tugendhaftigkeit gegen Weltlichkeit ausgespielt werden. Des Gehilfen Salvatore Mehrsprachigkeit (italienisch, lateinisch, englisch) erinnerte an die Symbolik «…sie sprachen mit verschiedenen Zungen». Darauf konklusiv-lapidar: «Machen wir uns auf die Suche nach Wahrheit!» 

Von Umberto Ecos reicher historischer Kenntnis zeugten Passagen wie «Grenzen zwischen Heilung und Tod sind fliessend», «Wer ist dieser Mönch, der die Sprache Babels spricht?» Der Regie hingegen zuzuordnen sind modernere Aussagen wie «oh, Shit!». Liebesszenen in klösterlichem Umfeld umrahmten die geschickt angesetzte Pause.

Biedere Menschlichkeit und fleischliche Lust

Der mittelalterlich-moderne Schnitt des «Mädchen»-Gewandes war eine passende Verbindung von historisch adäquater Materialwahl und moderner Sexiness. Das Zitat «Pax vobiscum – et cum spiritu tuo» erfuhr diversifizierte Schattierungen, von passender Mimik sekundiert, biedere Menschlichkeit wie Neid und Hohn schlug sich ebenso nieder wie fleischliche Lust. Der «schwarze Hahn» als Hexenwerk streifte gekonnt die Hexenverbrennungs-Thematik. Alle wissen es, doch hier wurde es gesagt: «Man spricht auch, wenn man schweigt». 

Hinterfragenden Charakter hatte dann das ausgedehnte Verhör mit erzwungenem Geständnis, den Bogen zu unserer Epoche fulminant bildend, dieweil «Gott, wo bist du?» in ebenso bibeltreuer Variante daher kam wie «…denn sie wissen  nicht, was sie tun.» – «Hüte dich vor den Wahrheitspropheten und habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen» war wohl die Kernaussage von Umberto Ecos Zeit- und Problemschilderung.

Eine bemerkenswerte Kulturvermittlung

Der Wunderly-Böhme-Stiftung, wie auch der Mittwochgesellschaft Meilen mit ihren Hilfskräften sei für eine bemerkenswerte Kulturvermittlung grossen Dank gezollt!

Die nächste Veranstaltung der Mittwochgesellschaft findet am 16. September um 19.30 Uhr in der reformierten Kirche Meilen statt: Im Bettagskonzert singt der ProChor unter der Leitung von Barbara Meldau.

xeiro ag