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Die Stöckenweid hat jetzt ein Parlament

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Stöckenweid wählten ihre Delegierten für das Stöckenweid-Parlament. Die Bekanntgabe der Wahlergebnisse übernahm der Meilemer Gemeinde- und Kantonsrat Hanspeter Göldi.

Am vergangenen Mittwoch war es endlich soweit: Sechs Kandidatinnen aus der Mitarbeiterschaft wurden ins neu gegründete Stöckenweid-Parlament gewählt. Sie sollen zukünftig die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung Stöckenweid vertreten.  Es handelt sich dabei um Menschen ab 18 Jahren mit geistigen, psychischen, autistischen und/ oder körperlichen Beeinträchtigungen.

Spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen

Bei sommerlichen Temperaturen hatte sich ein Grossteil der Mitarbeitenden nach Feierabend auf dem Festplatz der Stiftung Stöckenweid versammelt und wartete gespannt auf die Ergebnisse der geheimen Wahl, die tagsüber stattgefunden hatte. 18 Mitarbeitende hatten sich für sechs Parlamentsplätze zur Wahl gestellt. 

Der Fachmitarbeitende Markus Holenstein, Bereichsleiter Integration und Projektleiter des Parlaments, berichtete, dass die Wahlbeteiligung bei stolzen 88 Prozent gelegen habe. Einige Kandidaten und Kandidatinnen hätten sich gar ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert.

Ziel des Stöckenweid-Parlaments ist es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Stimme zu geben. Die Mitsprache und Teilhabe der Mitarbeiterschaft soll gestärkt und unterstützt werden, nicht zuletzt, um die Umsetzungen der UN-Behindertenrechtskonventionen auf gesellschaftlicher und institutioneller Ebene weiter zu intensivieren 

Besuch vom Gemeinderat

Durch das Stöckenweid-Parlament erhalten Mitarbeitende Raum, ihre Interessen einzubringen und zu vertreten. Anliegen und Veränderungswünsche können ins Parlament eingebracht und wenn immer möglich umgesetzt werden. Unterstützung bei der Arbeit im Parlament geben die Fachmitarbeitenden Tanja Herrmann und Urs Dietter, die bereits massgeblich an der Organisation und Koordination der Vorbereitungen beteiligt waren.

Die Bekanntgabe der Wahlgewinner übernahm Hanspeter Göldi, Gemeinderat in Meilen und Kantonsrat. Er hatte durch den diesjährigen Jahresbericht vom Stöckenweid-Parlament erfahren und sich interessiert bei Gregor Stöckli, Vorsitzender der Geschäftsleitung, erkundigt. Auch eine Einladung der Delegierten in den Kantonsrat hatte er dabei ausgesprochen. Der Besuch wird allerdings noch etwas auf sich warten lassen. 

Gelebte Demokratie

Vor Bekanntgabe der Ergebnisse äusserte sich Hanspeter Göldi sehr erfreut über die Bildung des Parlaments. Es sei gut, dass sowohl aus dem Arbeits- als auch aus dem Wohnbereich Delegierte gewählt wurden. Hanspeter Göldi führte aus, wie wichtig es sei, dass die gewählten Parlamentarier den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen halten. Man müsse als Parlamentarier gut zuhören können, unterschiedliche Meinungen zu einem Thema diskutieren, gemeinsam einen Konsens finden und diesen kundtun. Als Gemeinderat in Meilen hoffe er auf viele Eingaben des Stöckenweid-Parlaments.

Als der Gemeinderat die Ergebnisse bekannt geben wollte, meldete sich spontan eine Mitarbeiterin zu Wort. Ein ungeduldiges Murren ging durch die Reihen der Zuhörer. Doch Hanspeter Göldi beruhigte die Stöckenweidler mit den Worten: «In einer Demokratie kann jeder etwas sagen, der etwas zu sagen hat» und übergab der Mitarbeiterin das Wort.

Parlamentarier mit Vorbildfunktion

Dann endlich konnten die mit Spannung erwarteten Ergebnisse vortragen werden. Die Wahlgewinner sind: Domininic Bont, Jonas Baumann, Manuela Saladin, Vanessa Stierli, Muriel Richner und Rahel Bhend. Die gewählten Parlamentarier wurden einzeln aufgerufen und mit einem Strauss aus Sonnenblumen und einer Urkunde beglückwünscht. 

An der anschliessenden Wahlparty mit Apérohäppli und hausgemachter Himbeerbowle wurden die Wahlsieger gefeiert. Einigen Kandidaten, die nicht gewählt worden waren, war die Enttäuschung anzusehen. Eine Mitarbeiterin äusserte sich: «Ja, ich bin schon ein bisschen enttäuscht, aber ich freue mich für die, die gewonnen haben.»

Es entstanden angeregte Gespräche und Diskussionen, und auch Hanspeter Göldi musste viele Fragen zum Corona-Virus und zu seiner Arbeit als Politiker beantworten und bemerkte zu den gewählten Parlamentariern: «Jetzt, da ihr gewählt seid, wird mehr auf Euch geschaut, jetzt habt ihr für die anderen eine Vorbildfunktion.»

Wunsch: Bushaltestelle Stöckenweid

Ein dringendes Anliegen der neu Gewählten wird bereits in den Statements im Wahlheft deutlich: Die Hälfte der Delegierten wohnt ausserhalb des Hauptsitzes und fährt mit dem öV zur Arbeit in die Werkstätten an der Bünishoferstrasse 295. Sie wollen sich für eine Busverbindung bis zur Stöckenweid einsetzen. Gut möglich, dass dies ganz oben auf der Traktandenliste der ersten Parlamentssitzung am 9. September 2020 war.

 

Rahel Bhend, neu gewählte Delegierte des Stöckenweid-Parlaments, zu ihrer Wahl:

«Ich finde, jetzt sind wir Mitarbeiter auch mal dran, um etwas zu verändern, dass wir auch mal was mitentscheiden dürfen. Unsere Wünsche und Ideen einbringen dürfen, um sie zu besprechen und umzusetzen.

Ich finde das Parlament eine gute Sache und bin gespannt, was wir alles bewirken können. Ich freue mich auf ein hoffentlich spannendes Jahr im Parlament. Ich möchte mich für eine Busverbindung in die Stöckenweid einsetzen.

Ich freue mich, dass ich gewählt wurde und hoffe, dass möglichst viel von dem, was wir möchten, umgesetzt wird.»

xeiro ag