Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Die Politik meldet sich zurück

Es ist sehr interessant zu beobachten, wie die Menschen in schwierigen Zeiten funktionieren. Als klar wurde, dass es in der Schweiz Fälle von Coronavirus gibt, begann die Regierung, Massnahmen zu ergreifen. Der Bundesrat hat uns bis jetzt erfolgreich durch die Pandemie geleitet. Die Neuansteckungen nehmen langsam ab, leider sind diese Zahlen nicht konstant. Auch die Anzahl der Todesfälle nimmt ab. Die Kantone melden regelmässig ihre Zahlen und kooperieren mit dem Bund.

Jetzt, wo die Lage sich beruhigt und eine positive Stimmung sich bemerkbar macht, meldet sich die Politik zurück. Jetzt meinen die Politiker, sie können sich schnell profilieren und fordern. Wo waren diese Politiker, als die Lage prekär war? Zu Hause waren sie. Jetzt treten sie wieder in die Szene, und von links nach rechts kommen nicht nur Forderungen, sondern Kritik. 

Vermutlich sind wir auf dem richtigen Weg diese Krise zu besiegen, der Weg ist nicht nur lang, sondern steil und holperig. Die Wissenschaft hat noch lange nicht alle Antworten, weder betreffend Heilung noch Behandlung des Virus. Es gibt kein Medikament, keine Impfung, und man weiss nicht, wann diese vorhanden sein werden, dieses Virus ist behaftet mit vielen Fragezeichen.

Es ist möglich, dass Fehler gemacht wurden, es ist möglich, dass weitere Fehler gemacht werden, aber ist es jetzt der Moment für Vorwürfe und Angriffe, welche das Land eher spalten als vereinen werden? Ich denke, jetzt ist eher der Moment der Zusammenarbeit, des Wiederaufbaus. Die Politik sollte die Bevölkerung motivieren, all die entstandenen Hindernisse zu bewältigen, mit Zuversicht und Tatendrang nach vorne zu schauen und die angeschlagene Schweiz auf Vordermann zu bringen. Die Politik darf nicht diesen Augenblick verpassen.

Sollte der Bundesrat sich rechtfertigen müssen, müssten die Politiker auch erklären, weshalb sie während all diesen Monaten untätig waren. Schuldzuweisungen werden Ausreden erfordern, wir werden uns in Unzulänglichkeiten verlieren.

«Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben» (Marie von Ebner-Eschenbach).

 

xeiro ag