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Die Kunst des Zusammenfügens

Am vergangenen Freitag wurde im Ortsmuseum die Ausstellung «Defragmentiert» eröffnet. Neben der Meilemerin Michèle Samter stellt auch Pia Roth aus Wetzikon ihre Werke aus. Während bei Michèle Samter Werke aus Stoff in Form von kunstvollen Quilts in diversen Farb- und Musterkombinationen die Besucher beeindrucken, setzt Pia Roth auf die Materialien Papier, Marmor und Alabaster.

  • Michèle Samter und Pia Roth stellen noch bis am 18. November im Ortsmuseum aus.

  • Aus einzelnen Fragmenten entsteht ein neues Ganzes: Michèle Samter arbeitet mit Stoff, Pia Roth mit Papier. Fotos: MAZ

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Nach einer kurzen Begrüssung durch Michel Gatti, Stiftungsrat des Ortsmuseums, ging Architekt Marc Meyer in seiner Laudatio näher auf die ausgestellten Objekte ein. Er konzentrierte sich dabei in erster Linie auf den Ausstellungstitel «Defragmentiert». Ein Begriff der ursprünglich aus der Technikwelt stammt, der sich aber wunderbar bei der Kunst der beiden ausstellenden Künstlerinnen anwenden lässt: Die Kunst, aus Stoff-, Papier- oder Steinstücken, also aus einzelnen Fragmenten, ein neues Kunstwerk, ein neues Ganzes zu schaffen. 

Gegensätzlicher Ordnungsbegriff

In seiner Laudatio stellte Marc Meyer fest, dass die beiden Künstlerinnen mit einem gegensätzlichen Ordnungsbegriff an die Konzeption ihrer Kunstwerke gehen. Er bezeichnet die Arbeitsweise von Michèle Samter als «Bricolage» und jene von Pia Roth als «ingénieux». Den Begriff Bricolage erklärt er mit einem Zitat von Claude Levi Strauss folgendermassen: «Die Bricolage steht für ein Verhalten, bei dem der Akteur (Bricoleur) mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen Probleme löst, statt sich besondere, speziell für das Problem entworfene Mittel zu beschaffen.» Dem gegenüber stellt er den Ingenieur, der sich die Mittel beschafft um ein Problem zu lösen. 

Während sich der Bricoleur also in erster Linie auf seine Erfahrung und Intuition verlässt, arbeitet der Ingenieur mit einem klaren Plan. Der Bricoleur fragt sich im Dialog mit den Elementen also: «Geht das so?», während der Ingenieur nach reiflicher Planung sagt: «Das muss so gehen». Aber trifft diese These auch zu? Während Marc Meyer selber in einzelnen Kunstwerken der beiden Künstlerinnen Gegensätze sieht, wird spätestens im Gespräch mit der Meilemerin Michèle Samter klar, dass sie sich zwar gerne auf ihre Erfahrung und Intuition verlässt, sehr wohl aber auch strukturiert und mit einem genauen Plan an ihre Werke geht. Bezeichnend dafür ist, dass ihre Lieblingswerke der Ausstellung die drei Bilder der Reihe «Farbkomposition» sind. Klare Linien, eine strukturierte Farbwahl und die penible Planung sind deutlich erkennbar. Mit einer Schlussfolgerung seiner These hat Marc Meyer aber absolut recht: Während die Kunstwerke von Pia Roth in punkto Formen und gängigen Normen auf ihre Perfektion beurteilt werden können, sind die Ergebnisse der Quilt-Kunst von Michèle Samter mit nichts anderem vergleichbar. Der Betrachter sieht nicht, ob das fertige Bild so geplant war oder nicht. Die Bilder lassen viel Interpretationsspielraum. Die Herangehensweise ist aber bei beiden Künstlerinnen die gleiche: Intuition und Erfahrung sind wichtig, eine genaue Planung aber auch.

Musikalische Umrahmung

Bereits beim Betreten des Ortsmuseums wurden die Besucher am vergangenen Freitag mit Saxophonklängen von Pius Baumgartner empfangen. Begleitend zu dem, was die Besucher auf dem Rundgang durchs Museum zu sehen bekamen, spielte die passende Musik im Hintergrund. «Ich habe Pius Baumgartner an einer Vernissage im Engadin kennen gelernt, an der er gespielt hat. Ich war begeistert und wollte unbedingt, dass er auch in Meilen für unsere Vernissage-Gäste spielt. Seine Musik gibt dieser Ausstellungseröffnung genau den richtigen Rahmen», sagte Michèle Samter. 

Die Ausstellung «Defragmentiert» im Ortsmuseum dauert bis am 18. November und ist jeweils am Samstag und Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Die Künstlerinnen sind jeweils vor Ort und geben gerne über ihre Kunstwerke Auskunft. 

xeiro ag