Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Die Goldküste feierte ihre Bahnlinie

Von Zollikon bis Hombrechtikon stellten die Gemeinden am Sonntag zum 125. Geburtstag der rechtsufrigen Zürichseebahn ein Festprogramm auf die Beine. Beim feierlichen Eröffnungsakt in Feldmeilen richtete der Gemeindepräsident mahnende Worte an die SBB-Verantwortlichen.

  • Die Gemeindepräsidenten Christoph Hiller (Meilen) und Gaudenz Schwitter (Herrliberg) mit Urs Arpagaus, Regionenmanager SBB (v.l.) am Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen. Fotos: MAZ

  • Die vier historischen Waggons waren bis auf den letzten Stehplatz besetzt.

  • Machte mächtig Dampf: Die 109-jährige Lok im Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen.

  • Die historische Lok wurde von viel begeistertem Publikum erwartet.

  • Die Gratisfahrten mit dem historischen Zug waren heiss begehrt. Foto: Jürg Arnold

  • Bei diesem Anblick schlägt das Herz jedes Eisenbahnfans höher: Der Dampfzug unterwegs am rechten Zürichsee-Ufer. Foto: Jürg Arnold

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Seit 125 Jahren fahren Züge am rechten Zürichseeufer (siehe Meilener Anzeiger von letzter Woche). Diese Tatsache ist doch ein Fest wert, dachten der Herrliberger Gemeindeschreiber Pius Rüdisüli und der ehemalige Uetiker Bahnhofsvorstand Hansruedi Knopf, und schliesslich sorgten ein OK mit den Gemeinden entlang der Strecke und auch die SBB selber für die entsprechenden Festivitäten. Nur Rapperswil machte nicht mit – es sei dort schon zu viel anderes los.

Zugfahren mit offenem Fenster

Blumenbekränzt wie vor 125 Jahren war die Jubiläums-Dampflok nicht, als sie mit Tuten und Dampfwolke im Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen einfuhr, aber viel bestaunt und bewundert auch heute noch. Die 109 Jahre alte glänzend schwarze Lokomotive, die dem Dampfloki-Club Herisau gehört, zog vier bereits in Meilen bis auf das letzte Fleckchen vollbesetzte Wagen. Sogar im offenen Gepäckwaggon war kein Quadratzentimeter mehr frei – dank wunderbarem Herbstwetter aber gar kein Problem. 

Und da sich bei den alten Passagierwagen die Fenster von Hand öffnen lassen, war dort bei Bedarf für frischen Fahrtwind gesorgt. Das ungewohnte Gefühl, bei voller Fahrt den Kopf aus dem Zugfenster strecken zu können, kam vor allem bei den jüngsten Passagieren gut an: Sie liessen sich begeistert die Haare um die Stirn flattern und wurden dabei vom Grosi oder vom Papi mit der Smartphonekamera geknipst, wenn die Senioren nicht gerade damit beschäftigt waren, in Erinnerungen zu schwelgen.

Enttäuschte Herrliberger vor 125 Jahren

In der ebenfalls vollen Kulturschiene fand die offizielle Eröffnungsfeier des Jubiläumsanlasses statt. Gaudenz Schwitter, Gemeindepräsident von Herrliberg, führte durchs Programm, und das rundum freudig. Anders also als vor 125 Jahren. Damals drohten einige Herrliberger, den Eröffnungszug in die Luft zu sprengen, so enttäuscht war die Gemeinde darüber, dass «ihr» Bahnhof 350 Meter von der Gemeindegrenze entfernt auf Feldmeilemer Boden gebaut wurde (wo er ja auch heute noch steht).

Brief des Gemeindepräsidenten an Andreas Meyer

Indes – auch ernste Worte gab es an der Feier zu hören. Sie kamen vom Meilemer Gemeindepräsidenten Christoph Hiller. Er sprach vor dem anwesenden Regionenmanager SBB, Urs Arpagaus, nicht nur von der Bedeutung und der Weiterentwicklung der «Rechtsufrigen», die mit dem Ausbau-Schritt 2035 eine durchgehende Doppelspur erhalten soll, sondern auch vom «Schnarchzug» in Herrliberg-Feldmeilen, der fast ständig auf dem neuen Wendegleis steht und die Nachbarschaft unangenehm beschallt. «Der Gemeinderat von Meilen verlangt, dass betreffend Lärm nicht nur Berechnungen angestellt werden, sondern effektiv Messungen vorgenommen werden», sagte Hiller. Und fügte an, er habe diesbezüglich an SBB-CEO Andreas Meyer einen Brief geschrieben und sei eigentlich zuversichtlich, dass die SBB offen sei, die Problematik mit dem Gemeinderat und den Betroffenen vor Ort anzuschauen. Was ihn allerdings etwas stutzig mache: Dass er noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung für sein Schreiben erhalten habe.

Von 75 auf 30 Minuten

Anschliessend an die Grussworte folgte «Die Geschichte einer Bahnlinie im Spiegel ihrer Zeit» als «Klangchronik» von Armin Brunner, vorgetragen von Graziella Rossi und Helmut Vogel und einem dreiköpfigen Orchester, das Musik aus allen Epochen beisteuerte: Johann Strauss, Sergei Prokofjew, «Lili Marleen», «Let it Be»… Die Zeit vom holprigen Fuhrwerk, das nach Zürich zockelte, über die Dampflok, die von Rapperswil bis Zürich 75 Minuten benötigte, bis zur heutigen S-Bahn (30 Minuten) wurde unterhaltsam und mit Seitenblicken auf das Weltgeschehen abgebildet.

Bratwurst oder Dosto?

Nach der Eröffnung konnte man entweder eine Bratwurst, Flammkuchen oder ein Soft Ice essen, sich mit Kinderkarussell, Platzkonzert oder Modelleisenbahn verweilen oder mit einem der Extrazüge nach Zürich-Tiefenbrunnen fahren. Im Einsatz standen neben dem Dampfzug auch ein Elektro-Oldtimer aus den 1950er-Jahren und der Doppelstock-Fernverkehrszug Dosto, der in grosser Zahl im Intercity-Verkehr eingesetzt werden soll, wenn seine Kinderkrankheiten einmal behoben sind. 

xeiro ag