Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Die definitive Entscheidung fällt im September

Am 10. Juli wurden im «Bau» der reformierten Kirche an der Kirchgasse die drei bestplatzierten Projekte für das Areal Stelzenwiese – östlich der katholischen Kirche und unterhalb der Bruechstrasse gelegen – präsentiert.

  • Die Illustration zeigt, wie die neue Überbauung auf dem Stelzen-Areal aussehen soll. Grafik: GGAS

  • Jurymitglied Andreas Galli präsentierte das Siegerprojekt anhand eines Modells. Foto: MAZ

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Das Siegerprojekt stammt von Gmür & Gschwentner Architekten + Stadtplaner AG. Zur Präsentation geladen waren Vertreter der Kirche, der Gewomag, Anwohner und die Presse. 

Nicht für kirchliche Zwecke nötig

Das Areal Stelzen wurde 1953 von der reformierten Kirchgemeinde Meilen mit der Absicht erworben, dort ein ökumenisches Zentrum zu errichten, wie Kirchenpfleger Marcel Andris erklärte. Ein entsprechendes Projekt wurde von den Stimmbürgern aber abgelehnt. So auch ein Folgeprojekt in den 1990er-Jahren. Weil das Grundstück in der Stelzen nicht für kirchliche Zwecke genutzt wird, wurde es buchhalterisch vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen transferiert. Im inzwischen 66-jährigen Kaufvertrag war jedoch festgehalten worden, dass das Grundstück für eine gemeinnützige, öffentliche Nutzung erworben wird. 

Deshalb will die reformierte Kirche das Grundstück heute einerseits für generationenübergreifendes Wohnen, andererseits für anderweitige Nutzungen mit öffentlichem Interesse zur Verfügung stellen. Konkret sind mit dem vorliegenden Projekt 30 Wohnungen und Gewerberäume an prominenter Lage geplant – teils direkt an der Stelzenstrasse. Es war beispielsweise von einer Kita die Rede.

Schnell war allerdings klar, dass die reformierte Kirche nicht selber als Bauträger oder Betreiber auftreten will, weshalb sich die Kirche bereit erklärt hat, die Grundstücke im Baurecht an die Gewomag (Gemeinnützige Wohnbau Meilen AG) abzugeben, die zu 70 Prozent im Eigentum der Gemeinde Meilen steht. 

Bodenproben und Studienwettbewerb

Bevor ein Studienwettbewerb ausgeschrieben werden konnte, musste allerdings die reformierte Kirchgemeindeversammlung im Mai 2018 dem Kredit dafür über 120’000 Franken zustimmen. Gleichzeitig wurde ein Budget von 30’000 Franken festgesetzt, um vor dem Planungswettbewerb Bodenuntersuchungen vorzunehmen – auf freiwilliger Basis. 

SVP-Gemeinderat und Gewomag-Verwaltungsrat Peter Jenny erklärte, dass auch die Gewomag Kredite sprechen musste, um mit der Ausarbeitung eines zweistufigen Studienprogramms zu beginnen. Die Fachjury war von den vielen Zusendungen überrascht, denn fast 80 Büros bewarben sich für das Projekt. Sieben davon wurden ausgewählt, um in der engeren Planungsphase mitzuwirken. Für die Schlussrunde wurden die sieben dann auf die finalen drei Teams reduziert. Schliesslich beauftragte das Beurteilungsgremium am 19. März 2019 die Büros Oester Pfenninger Architekten AG aus Zürich, Gmür & Gschwentner Architekten + Stadtplaner AG aus Zürich und Haerle Hubacher Architekten BSA GmbH aus Zürich mit der Weiterentwicklung ihrer Projektideen.

Drei Projekte dicht beieinander

Im Juni 2019 erfolgte dann die Schlusspräsentation der Projektvorschläge anhand der abgegebenen Plan- und Modellunterlagen. Bei der Beurteilung wurden unter anderem die Kriterien ortsbauliche Setzung, kubische Gliederung und architektonischer Ausdruck der Bauten, die Gestaltung und Gliederung der Aussenräume, die Grundrisslösungen, die Qualität der Nutzungsverteilung, die Wohnungsvielfalt, alters- und behindertengerechte Lösungen sowie die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit berücksichtigt. 

Bei der Vernissage und Präsentation sagte Andreas Galli, Mitglied des Beurteilungsgremiums, dass alle drei Projekte sehr dicht beieinander lagen und minimale Details zur Entscheidung geführt hätten. Letztlich überzeugte das Projekt von Gmür & Gschwentner Architekten + Stadtplaner AG.

Beurteilung des Siegerprojekts

Die Beurteilung aller Projekte ist sehr detailliert und umfangreich. Am meisten überzeugte die Idee von Gmür & Gschwentner Architekten + Stadtplaner AG mit einem dreigeschossig in Erscheinung tretenden L-förmigen Gebäude, das mit einem Kopfbau an die Stelzenstrasse anschliesst. Das Beurteilungsgremium kam zu folgendem Fazit: «Mit der grundlegend überarbeiteten ortsbaulichen Setzung gelingt dem Team um Gmür & Gschwentner ein stimmiges Projekt, das neben dem guten ortsbaulichen Ansatz, der Adressierung und Vernetzung mit dem Quartier und nicht zuletzt mit der Vielfalt und Qualität des Nutzungsangebots überzeugt. Der Beitrag hat damit das Potential, das Versprechen für die oft propagierte, qualitätsvolle innere Verdichtung mit attraktiver Nutzungsdurchmischung tatsächlich einzulösen.» Besonders hervorgehoben wurde auch die konsequente Hindernisfreiheit der internen Wegverbindungen, dies im Gegensatz zu den anderen zwei Projekten.

Entscheid liegt bei der Kirchgemeindeversammlung

An einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung im September geht es nun um zwei Dinge, nämlich darum, das Siegerprojekt abzunehmen und den Baurechtsvertrag zwischen Gewomag und der reformierten Kirche anzunehmen. Bestenfalls könnte im ersten Quartal 2020 – dann unter Berücksichtigung der neuen Bau- und Zonenordnung, die vermutlich für das konkrete Projekt nicht allzu viele Änderungen bedeuten wird  – weitergeplant werden. 2021 ist der Spatenstich vorgesehen. Nach zweijähriger Bauzeit könnten Fertigstellung und Bezug 2023 erfolgen. Das letzte Wort haben nun die Stimmbürger der reformierten Kirche. 

xeiro ag