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Die Begegnungszone ist fachlich korrekt

Heute ist die Dorfstrasse primär auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet. Sie wird denn auch vorwiegend als Durchgangskorridor wahrgenommen. Mit der Schaffung einer Begegnungszone soll neu der Zentrumscharakter dieses Dorfteils betont werden. Dafür sind Massnahmen erforderlich, welche erklärungsbedürftig sind. Aus der Sicht eines Strassenbau- und Verkehrsingenieurs möchte ich zu einigen verkehrstechnischen Fragen Stellung nehmen.

Auf der Dorfstrasse verkehren bis zu 7000 Fahrzeuge pro Tag. Gemäss der Schweizerische Vereinigung der Verkehrsingenieure und Verkehrsexperten (SVI) sind Begegnungszonen auf siedlungsorientierten Geschäftsstrassen bei geringem bis mittleren Verkehrsaufkommen (6'000 bis 7'000 Fz/Tag) möglich. Erfolgreich umgesetzte Beispiele in Biel, Aarberg, Burgdorf und Grenchen mit Tageswerten zwischen 5'000 und 8'000 Fahrzeugen zeigen, dass Begegnungszonen in Gebieten mit einem Verkehrsaufkommen wie an der Dorfstrasse Meilen funktionieren und die Verkehrsabwicklung zu allen Tageszeiten gewährleistet ist. Die Anforderungen bei den Kriterien Fussgänger, Verkehrsaufkommen, Parkierung und öV, die für eine Begegnungszone sprechen, sind in Meilen vollends erfüllt.

In einer Begegnungszone von knapp 250 Metern Länge wird der Strassenraum durch bewusste Anordnung von Parkfeldern und Bepflanzungselemente aufgelockert und optisch verengt, um die Korridorwirkung zu brechen und die erforderliche Verkehrsberuhigung zu erreichen. Damit wird das Queren der Strasse für Fussgänger sicherer.

Der Verkehrsbereich in der Begegnungszone Dorfstrasse weist an vier kurzen Stellen eine Breite von mindestens 5.40 Metern auf. Damit ist ein Kreuzen von einem schweren Lastwagen oder Bus mit einem Personenwagen bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h gewährleistet. Gemäss den Normen des Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) wären selbst 5.30 Meter ausreichend. Der grösste Teil der Begegnungszone Meilen weist einen Fahrbereich zwischen 6.00 und 7.60 Metern auf. Sechs Ausweichstellen ermöglichen auch das Kreuzen von zwei Bussen oder Reisecars. Eine Verbreiterung der Durchfahrtsbreite von 5.40 Meter auf minimal 6.00 Meter hätte zur Folge, dass die signalisierte Geschwindigkeit von 20 km/h nicht eingehalten wird respektive unbeliebte Massnahmen wie Schwellen nötig würden.

Beobachtungen in anderen Begegnungszonen haben gezeigt, dass sich der Verkehrsfluss durch Begegnungszonen oft verbessert, da die Fussgänger die Strasse in der Regel vorausschauend und rücksichtsvoll queren. Zudem werden durch die neue Anordnung der Parkfelder Parkierungsmanöver vereinfacht und beschleunigt. Die alltäglichen gegenseitigen Behinderungen an der Dorfstrasse, mit Rückstaus für Bus und Personenwagen, können so vermieden oder reduziert werden.

Fazit: Die Dorfstrasse im Abschnitt Burg- bis Bahnhofstrasse befindet sich in einem schlechten Zustand und ist bald zu sanieren, um weitere Schäden zu vermeiden. Die gleichzeitige Umgestaltung des Strassenraums zu einer Begegnungszone ist finanziell klug, und Beeinträchtigungen durch die Unterhaltsarbeiten sind ohnehin zu gewärtigen. Die vorgesehenen Strassenbreiten, Kreuzungszonen und Parkfelder entsprechen den gängigen Normen und sind praxisbewährt.

Martin Pola, dipl. Bau-Ing. ETH, Meilen

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