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Die Antwort des Biologen

Ich möchte gleich vorwegnehmen: Es ist einfach zu kritisieren, wenn man nicht in der Verantwortung steht. Trotzdem, als Demokraten sind wir uns nicht gewohnt, dass Legislative und Judikative ausgeschaltet sind und allein die Exekutive das Sagen hat – in Diktaturen der Alltag.

Die Begründung der Regierung, den Notstand auszurufen mit massiver Einschränkung der Freiheit, ist einzig, das Gesundheitswesen nicht zu überlasten. Das scheint auf den ersten Blick nicht falsch und ethisch korrekt sowie solidarisch zu sein.

Aber: Sobald die Regierung die drastischen Massnahmen lockert, wird eine neue Infektionswelle anlaufen, und zwar so lange, bis etwa 70% der Bevölkerung immunisiert sind. Das kann gerne ein Jahr dauern. Ein Jahr lang ohne funktionierende Wirtschaft – eine hausgemachte Katastrophe wegen eines an sich recht harmlosen Virus mit knapp 1% Sterberate? 

Nehmen wir einen Worst Case für Corona in der Schweiz: 70% der Bevölkerung angesteckt, 1% davon stirbt, das sind gut 50'000 vor allem ältere Personen. Das müssen wir in Relation zur normalen Sterberate stellen: 100'000 sterben jedes Jahr durchschnittlich bei uns. Von den 50'000 Corona-Toten wären die meisten ältere Personen mit bereits bestehenden Leiden wie Herz-Kreislauf oder Diabetes, die auch ohne Corona in den nächsten Jahren sterben würden. Die Tabu-Frage lautet also: Ist es richtig, zugunsten dieser älteren Menschen und zur Verhinderung der kurzfristigen Überlastung des Gesundheitswesens das ganze System an die Wand zu fahren? Mit drastischen Folgen für 99% der überlebenden Bevölkerung: Arbeitslosigkeit, Konkurse, Depression, Suizide, Zunahme der häuslichen Gewalt, Scheidung, Frustration.

Die Frage der Solidarität und ethischen Verhältnismässigkeit stellt sich aus dieser Perspektive anders. Der Bund stellt zwar grosszügig Geld zur Linderung bereit, Geld, das wir später zurückzahlen werden: weniger Lohn, höhere Steuern und Abgaben, Inflation. Corona wird erst unter Kontrolle sein, wenn wir die Bevölkerung durchimpfen – dazu fehlt ein Impfstoff – oder durchseuchen. 

Die Antwort des Biologen kann also nur lauten: Weitgehende Isolation der älteren Bevölkerung und von Risikopersonen, die 80% der Restbevölkerung gehen normal ihrer Arbeit und Ausbildung nach, es kommt zur raschen Durchseuchung, wie bei einer Grippe laufen Wirtschaft und Schulen normal weiter mit einzelnen Krankheitsausfällen, nach spätestens zwei Monaten ist der Spuk vorbei.

Erst die Geschichte wird zeigen, ob von der Corona-Pandemie mehr bleibt als eine weltweite Wirtschaftskrise und die Gewöhnung der Bürger an den totalitären, überwachenden Staat, oder ob wir daraus auch das eine oder andere lernen, wie etwa normale biologische Risiken hinzunehmen und vielleicht einen Gang zurückzuschalten. In den Worten von Erich Fromml ob wir «mehr aufs Sein als aufs Haben» fokussieren und etwas bescheidener und gelassener werden.

xeiro ag