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Der Rossbachweiher

Seit Anfang Jahr erscheint unsere Serie zum Thema «Meilens Bäche und Weiher», die hinsichtlich den Bächen am 18. Juni ihren Abschluss fand. Seit Ende August widmet sich die Reihe nun den Weihern. In der aktuellen Folge steht der Rossbachweiher im Fokus.

  • Was vom Weiher übrig geblieben ist. Foto: pkm

  • Der Rossbachweiher gemäss Landeskarte von 1980. Karte: Swisstopo

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Als Kunstbauten haben Weiher alle ihre Geschichte. Beim Rossbach stand ab 1816 an dessen Unterlauf eine mechanische Baumwollspinnerei mit einem Weiher zum Betrieb eines oberschlächtigen Wasserrades, später einer Turbine. Der den Bach stauende Damm war ursprünglich nur «zirka 3 Fuß» (keinen Meter) hoch, wurde dann aber ohne Bewilligung massiv erhöht. 1840 ging der Betrieb ersatzlos Konkurs. Nach 1855 war im Fabrikgebäude erst eine mechanische Schleiferei, dann eine mechanische Schreinerei untergebracht. 1894 musste dieses zwar dem Bahnbau weichen, aber der Weiher selbst wurde weiter genutzt. Aus einem Grundstückplan der Nordostbahn von 1892 gehen dessen Länge (ca. 80 m), Breite (ca. 20 m) und aus der Beschriftung die exakte Fläche (1656 m2) hervor; in seinen Dimensionen war er damals am ehesten mit dem Zweienbachweiher vergleichbar.  

Behördliches Desinteresse

Ab 1924 diente der Rossbachweiher einer Modellschreinerei zum Antrieb ihrer Girardturbine – bis wann, ist unbekannt. Nach Meinung des Meilemer Gemeinderats von 1950 sollte der Weiher «eingedeckt» werden. Der Zufluss sei nämlich zu spärlich und eine genügende Wasserauffrischung deshalb nur «mit unverhältnismässigen Kosten» möglich. So gereiche ein «lebendiger, idyllischer und reiner Bachlauf» dem Rossbachtobel «eher zur Zier als ein verschmutzter und unhygienischer Weiher». Inwiefern ein «lebendiger» Bach nur einen «zu spärlichen» Zufluss zum Weiher bilden soll, erklärt der Gemeinderat nicht. Die Herrliberger Kollegen scheinen jedenfalls anderer Meinung gewesen zu sein.

Die Erneuerung

Im Zusammenhang mit dem Bau der Doppelspur bis Herrliberg-Feldmeilen erfolgte 1968 eine Anpassung des Verlaufs sowohl der Forch- und der Bünishoferstrasse als auch des Rossbachs und seines Weihers. Da eine Wasserkraftanlage längst nicht mehr bestand, galt der neu ausgehobene Weiher fortan offiziell als Zierweiher (im Winter mit höherem Wasserstand als Eisfeld). Für die neue Stauvorrichtung setzte der Regierungsrat eine Natursteinkonstruktion durch, und die Aufforstung musste «mit einheimischen, standortsgerechten Pflanzen» erfolgen. Das neue Wasserrecht sollte Ende 1988 automatisch erlöschen, ausser es würde aufgrund rechtzeitig eingereichten Gesuchs erneuert.

Das Verschwinden

Bereits vier Jahre zuvor war indes der Weiher im kantonalen Amphibieninventar als ausgelaufen und «zerstört» erwähnt. Nachdem der Herrliberger Gemeinderat den Termin zur rechtzeitigen Erneuerung des Wasserrechtes verschlafen hatte, ersuchte er die zuständigen Behörden Anfang der 1990er-Jahre doch noch um dessen Erneuerung, was die kantonale Baudirektion nach einem Augenschein ablehnte: Der Zierweiher sei «vollständig aufgelandet», und von einer Ausbaggerung sei abzusehen.  

Heute, also ein Vierteljahrhundert später, gibt es einen – sehr verkleinerten – Rossbachweiher zwar noch auf der Landeskarte. In der Realität zeigt indes ein Augenschein bloss noch einen wässerigen Sumpf – eine Zierde sieht anders aus. Unbeirrt hält demgegenüber das geltende Meilemer Naturschutzinventar von 2016 als Ziel für den Unterhalt des weder rechtlich noch faktisch bestehenden Weihers fest: «Wasserfläche vergrössern, mehr Licht für Weiher und Krautschicht». Kommentar unnötig.

Der Rossbachweiher in Kürze

Ursprung: Fabrikweiher

Typus: Durchflussweiher

Lage und Zugang: Bergseits der Bahnstation Herrliberg-Feldmeilen, Einstieg an der Bünishoferstrasse

Höhe über Meer: 425 m

Fläche 1892: 1656 m2

Zustand: Nur noch eine Feuchtstelle

Grund der Preisgabe: Vernachlässigung aus Vergesslichkeit

 

xeiro ag