Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Der letzte Rundgang mit Walti Wegmann

Rund 90 Feldnerinnen und Feldner trafen sich am letzten Samstag, um zu hören, was der Ur-Feldner Walti Wegmann zum Thema «Reben und Weinbau» zu berichten wusste.

  • Die Zuhörerinnen und Zuhörer folgen Walti Wegmann (vorne) durch die Reben. Fotos: Dieter Stokar

  • Walti Wegmann erzählte viel Wissenswertes über Feldmeilen.

  • Eine grosse Schar Interessierte begab sich auf den Rundgang.

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«Ich habe mit Petrus telefoniert!» Mit diesen Worten eröffnete Walti Wegmann seinen Rundgang, den sechsten für den Quartierverein Feldmeilen. Offensichtlich hatte Petrus ein offenes Ohr für ihn, denn das Wetter war perfekt – ein Herbsttag wie aus dem Bilderbuch! Ein offenes Ohr hatten auch die zahlreich erschienenen Leute. Wie immer gab es sehr viel Interessantes und auch Lustiges zu erfahren, denn Walti Wegmann lebt – mit kurzen Unterbrüchen– seit 83 Jahren in Feldmeilen.

Der Herbstspaziergang startete an der Ecke Ländischstrasse/Schönacherfussweg, gerade oberhalb des Schulhauses Feld beim Rebberg «Frauechammer». Der Name stammt aus der Zeit, als der Wein-Zehnte an das Marien-Kloster Einsiedeln ging.

Meilen war Mitte 19. Jahrhundert die grösste Rebgemeinde in der Schweiz. Die Fläche zwischen Schwabach und Nadelstrasse wurde ausschliesslich für den Weinbau genutzt, war also ein zusammenhängender grosser Rebhang. Alle Bauern in Feldmeilen betrieben damals eigenen Rebbau. Es wurde auch sehr viel Wein getrunken. Um 1900 produzierte man im Kanton Zürich pro Kopf 150 Liter Wein im Jahr. Er galt auch als Lohn. Die männlichen Staatsangestellten erhielten 1½ Liter Weisswein oder 1 Liter Rotwein pro Tag – die weiblichen Staatsangestellten die Hälfte davon. Damals produzierte der Kanton Zürich eine halbe Million Hektoliter Wein pro Jahr. 1945 wurde dann inmitten des Weinbergs das Schulhaus Feld gebaut. Die Gemeinde hatte rund eine Hektare Land zum Preis von Fr. 6.50 pro Quadratmeter gekauft.

Der Rundgang ging weiter Richtung Schwabach zum Hof Pfenninger. Hier wurde früher «Kunstwein» hergestellt. Der Hersteller kaufte grossbeerige Erlenbachertrauben und viel Mostäpfel, aber verkauft wurde nur Wein. 1912 verbot der Bundesrat die Produktion von Kunstwein.

Neben viel Wissenswertem über den Rebbau in Feldmeilen erzählte Walti Wegmann auch einige persönliche Erlebnisse aus seiner Kindheit in Feldmeilen. Im Schwabach habe er mit Freunden den Bach gestaut, um eine Fischzucht zu betreiben. Allerdings habe das nicht so gut funktioniert. Tage danach regnete es so stark, dass die Mauern brachen und all ihre Fische «bachab» gingen und im See landeten.

Der Weg führte dann über die Rebbergstrasse, den Hudertstweg und den Rebberg «in der Nadle» und endete – passend zum Thema – im Weingut Hasenhalde bei Marcus und Myriam Schneider. Seit 1881 betreibt die Familie Schneider dort Landwirtschaft. Marcus in der fünften Generation ohne Vieh, Ackerbau und Obst, stattdessen mit ausschliesslich Weinbau. Bei einem guten Glas Wein gab es noch viel Zeit für gute Gespräche und gegenseitiges Kennenlernen.

Walti Wegmann hat entschieden, dass der sechste auch sein letzter Rundgang sein sollte, und so bedankte sich der Vorstand des Quartiervereins Feldmeilen passend zum Thema Reben mit ein paar guten Flaschen Hasenhalde-Wein und grossem Dank bei ihm: Er habe dem QVF und jedem einzelnen, der in den letzten Jahren an einem Rundgang teilgenommen hat, ein wunderschönes und unbezahlbares Geschenk gemacht. 

Viele bedankten sich persönlich bei Walti Wegmann. Er stand auch für Fragen zur Verfügung, denn manche Feldner nutzten die Gelegenheit, um noch das eine oder andere darüber zu erfahren, wie es früher einmal im Quartier so war. 

Unter www.qvf.ch (Links «Aktuell» und «Archiv») finden sich Fotos, ein Film und kurze Berichte zu einzelnen Rundgängen der letzten Jahre.

xeiro ag