Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Der Dorfbach

Seit Anfang Jahr befassen wir uns in loser Reihenfolge mit «Meilens Bächen und Weihern». Nach zwei Einführungskapiteln (MAZ 3/21 und 5/21) und den Feldner Bächen MAZ (9/21) wird nun der Dorfbach vorgestellt.

  • Oberer Wasserfall: Wasser auf Kalktuffkegel. Fotos: pkm

  • Der untere Wasserfall: Wasser im freien Fall. Links der Abfluss des Borbachweihers.

  • Das «Obere Tüfitobelbrüggli» mit Inschrift.

  • Die einstige Knochenstampfi. Foto: Heimatbuch 1961.

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Der Dorfbach entsteht nach heutiger Terminologie aus dem Zusammenfluss von Zelg- und Toggwilerbach. Früher reichte der Name Zelgbach allerdings seewärts bis zum Borbachweiher, während umgekehrt sein Quellbach wie der entsprechende Hof Arbach hiess; er speist sich mit Wasser aus der Herrliberger Bergweid. Der Toggwilerbach als wichtigster Zulieferer durchfliesst oberhalb des Weilers Toggwil das Rappentobel, das seit rund dreissig Jahren als Naturreservat bekannt ist. 

Heisst Meilen wie der heutige Dorfbach?

Der Name Dorfbach ist zwar seit 1602 überliefert, aber daneben zirkulierten früher auch andere Namen wie Mühlebach  – schliesslich gab es ja daran eine Ober- und eine Untere Mühle – oder «Meilerbach» – er ist ja tatsächlich in unserer Gemeinde der wichtigste; nach einer Hypothese stammt sogar umgekehrt der Name Meilen vom entsprechenden Bach namens Meilenaha mit der Bedeutung Fleckenbach ab.

Mehrere Wasserfälle im Dorfbachtobel

Wenn Bäche wie am Pfannenstiel an einem Hang mit unterschiedlich hartem Gestein entspringen, sind Wasserfälle im Vornherein gegeben. Im Dorfbachtobel gibt es davon mehrere, aber zwei von ihnen sind wegen ihrer Höhe und Eigenart besonders wert, erwähnt und abgebildet zu werden. Der eine befindet sich unterhalb der Burg, der andere wenig oberhalb von dieser. Er ist ein schönes Beispiel für die in der allgemeinen Einführung genannten Sedimentation in Form eines prächtigen Kalktuffkegels.

Den Weg durchs Dorfbachtobel gab es nicht schon immer. 1900 reichte er, im Auftrag des VVM frisch erstellt, vom «Wasserfels» nur bis zum Borbachweiher, und erst ab 1929 konnte man von diesem bis zu den damaligen Fischweihern wandern. Dies wurde nach Vereinbarungen des VVM mit den Grundeigentümern in den Krisenjahren möglich zur Arbeitsbeschaffung. Wegen weiteren langen Verhandlungen dauerte es für das Reststück bis zur Burgstrasse noch Jahre. Auch mussten bisherige Wegstücke, die vergammelt waren, zuerst saniert werden, bis die Fortsetzung nach Toggwil an die Hand genommen werden konnte. Wegen der ständigen Gefahr von Hangrutschungen sind dort, wo das Tobel besonders tief ist, unterschiedlichste sowohl technisch als auch finanziell aufwendige Kunstbauten nötig. Erst seit 1961 ist Toggwil durchgehend auf dem Tobelweg begehbar, auf dem letzten Wegstück im Tobel des Toggwilerbachs.

Unterirdischer Burgbach

Die vielen Zuflüsse listen wir samt Schema im nächsten Beitrag auf. Separat nennen möchten wir indes den Burgbach. Auf den ersten Blick ist er nämlich scheinbar einer der kürzesten Bäche Meilens, weil er ein eigentliches Tobel nur unterhalb des Weilers Burg bildet; von dort aus stürzt er sich in vielen Kaskaden zum Dorfbach hinunter. Allerdings trügt der Schein, vor allem, weil er auf der Höhe des Weilers selbst unterirdisch verläuft, also unsichtbar ist. Indes entspringt er nordöstlich der Burg im Gebiet Althau, und er kann von dorther, so schmal er ist und so gering meist auch seine Durchflussmenge, seltenerweise ganz schön Wasser führen und Überschwemungen verursachen, so letztmals 2008.

Knochenstampfi dank Wasserkraft

Davon, dass sich die Menschen die Wasserkraft zum Antrieb von Maschinen zunutze gemacht haben, soll später ausführlich bei den Weihern die Rede sein. Hier nur ein Beispiel: Beim Wasserfall des Burgbaches befand sich um 1900 eine schaukelartige Knochenstampfe. Durch einen Kännel floss das Wasser des Baches in einen hölzernen Kasten, der sich in der Folge nach unten senkte und damit den Stämpfel am anderen Ende in die Höhe hob. Indem sich der Kasten danach wieder entleerte, schlug der schwere Stämpfel in eine mit Knochen gefüllte Steinmulde und zertrümmerte damit die Knochen nach und nach zu Knochenmehhl, das man als Beifügung zum Schweinefutter oder als Dünger verwenden konnte. Das Wasserwerk bestand, bis der Staat darauf kam und einen Wasserzins erheben wollte… 

Nach den Überschwemmungen von 2008 machte man sich Gedanken, ob der unterste Abschnitt des Dorfbachs auch einem Jahrhundert-Hochwasser mit einer Durchflussmenge von 16 Kubikmeter pro Sekund standhalten könnte, worauf 2017 die entsprechende heutige Verbauung im Zusammenhang mit dem kleinen getreppten Erholungsraum entlang des Rauchgässli erstellt wurde.

Hans-Jakob-Meyer-Weg

Zum Schluss sei fürs Dorfbachtobel in künstlerischer Hinsicht der Hans-Jakob-Meyer-Weg erwähnt, der vom Borbachweiher zum Alterszentrum Platten führt. Ihn flankieren seit Anfang dieses Jahrhunderts knapp ein Dutzend Skulpturen aus dem Nachlass des Meilemer Bildhauers Hans Jakob Meyer (1903–1981), von dessen Erben grosszügig der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Charakteristisch für Meyers Figuren ist die stilisierte Reduktion auf das Wesentlichste, besonders deutlich sichtbar am «Urhuhn» und der Katze – Details siehe Heimatbuch Meilen 2004.

xeiro ag