Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Das Trio Eclipse in Hochform

Am vergangenen Sonntag konnte Annette Bartholdy zur Eröffnung und Wiederaufnahme des Konzertbetriebes «Vier Jahreszeiten» eine durch die Coronapandemie beschränkte Anzahl Besucher begrüssen.

  • Das Trio Eclipse aus Basel, bestehend aus Klarinettist Lionel Andrey, Pianist Benedek Horváth und Violoncellist Sebastian Braun. Foto: zvg

1/1

Alle sassen an- und «abständig» in den Bänken der reformierten Kirche, erfreut über den Saisonauftakt und gespannt auf das Programm des Trio Eclipse aus Basel, bestehend aus Klarinettist Lionel Andrey, Pianist Benedek Horváth und Violoncellist Sebastian Braun.

Bestandene Meister am Werk

Das «Gassenhauer» genannte Trio op. 11, B-Dur hat Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag zurzeit gefeiert wird, 1797 geschaffen. Die Betitelung erhielt es, weil darin das Thema «Pria ch'io l'impegno» aus der komischen Oper «L'amor marinaro» von Joseph Weigel (1766 – 1846) variiert wird. Widmungsträgerin war die Gönnerin Gräfin Maria Wilhelmine von Thun.

Die Interpreten gingen das Werk vif und mit sattem Zugriff an und füllten den Kirchenraum grosszügig, die Akustik trug das Ihre zur Klangintensität bei. Sofort war klar, dass da bestandene Meister am Werk sind: Laufwerk und Klangfarbenwechsel gefielen, die Musiker gewährten sich agogische Freiheiten in gutem Rahmen, sind perfekt aufeinander eingespielt. Den harmonisch interessanten «Launen» der Partitur gaben sie dabei passendes Kolorit.  

So kam der Schmelz im zweiten Satz schön zum Tragen, eine weichere Tongebung ermöglichte das Miterleben der an die Herzen gehenden Musik. Das Weigel'sche Thema wurde «molto vivace» zitiert, die wendige Bogenführung von Sebastian Braun, ein rasant realisiertes Laufwerk aller, dynamische Schattierungen und ein austarierter Anschlag von Benedek Horváth sowie das Ausleuchten der Registerfarben seiner Klarinette durch Lionel Andrey faszinierten.

Summer Breeze im Herbstkonzert

Die Wiedergabe des «summer breeze II» (2019) betitelten Werkes in Klarinetten-Trio-Fassung des Schweizers Thomas Demenga (geb. 1954) erfordert Discordatur der C-Saite des Violoncellos, was die dunklere Färbung des Werkes erst ermöglicht. In ihm werden instrumentengerecht verschiedenste Klangfarben gemischt und einander gegenübergestellt. Die Steigerung zu akustischer Vollkulisse des zweiten Teils mit Polyrhythmik zeigte allerdings die Grenzen der Kirchenakustik wieder auf. 

Enthusiasmus von Künstlern und Publikum

1891 lernte Johannes Brahms in Thun den Klarinettisten Richard Mühlfeld kennen und schätzen. Dessen Klarinettentöne faszinierten den sich seit geraumer Weile als «pensioniert» bezeichnenden Meister der Romantik derart, dass er dem Instrumentalisten nicht nur stundenlang beim Üben zuhörte, sondern die Komponiertätigkeit – zumindest für die Klarinette – wieder aufnahm und das Klarinettentrio a-moll op. 114 verfasste. 

Das erste Allegro erfuhr vordergründigen Einstieg des Violoncellisten, alsbald mit gepflegtem Klarinettenklang und sattem Klavieranschlag gepaart. Das Zusammenspiel wiederum hervorragend: Man verstand, warum das Trio hoch ausgezeichnet ist. 

Im «Andantino grazioso» etwa gefiel das durch die Stimmen wandernde Hauptthema ebenso wie der satte Zugriff von Benedek Horvath, die Durchörbarkeit der Kontrasubjekt-Begleitfigurationen im Piano und der fein gebotene Ausklang. Das End-Allegro dann fand partiturgemäss währschafte Darstellung. Die rhythmische Präzision war hervorragend, gute Präsenz des Violoncellisten garnierte den stets wachsenden Enthusiasmus von Künstlern und Publikum, dass es eine Freude war! 

Winterkonzert im Januar

In Nino Rotas «Allegrissimo» aus dessen Klarinettentrio schliesslich demonstrierten die Interpreten in der geforderten Zugabe einmal mehr Spielfreude par excellence. Grossaplaus seitens des «geschmälerten» Corona-Publikums war der Lohn.

Man freue sich auf das nächste Konzert vom 17. Januar 2021. Das Quatuor Sine Nomine stellt dann das Streichquartett-Schaffen von Dimitri Schostakowitsch jenem von Jubilar Ludwig van Beethoven gegenüber.

xeiro ag