Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Das SOM ist zurück – und wie!

Spannung lag in der Luft am letzten Freitag in der reformierten Kirche, als das Sinfonie Orchester Meilen nach zweijähriger Corona-Zwangspause zum traditionellen Herbstkonzert einladen durfte. Dirigent Kemal Akçag hatte klare Zeichen gesetzt. Mit dem Programm weckte er grosse Erwartungen und stellte hohe Anforderungen an das Orchester.

Das «Concierto de Aranjuez» für Orchester und Gitarre von Joaquin Rodrigo stellt hohe Ansprüche an den Solisten und das Orchester. Das Soloinstrument, die Gitarre, hat es schwer, sich vom Klang her gegen ein Sinfonieorchester durchzusetzen. Deshalb hat der Komponist das Zusammenspiel so gesetzt, dass es abwechslungsweise mit kleinen Instrumentengruppen erfolgt. 

Die Streicher legten mit feinsten sauberen und präzisen, teils rhythmischen, teils girlandenhaften Begleitungen gleichsam einen roten Teppich für die Gitarre. Die Bläser standen mit der Gitarre abwechslungsweise in einem intensiven Dialog. Das kam vor allem im zweiten, in klagendem Ton gehaltenen Satz zur Geltung. Das Englischhorn, mit vollem runden Ton wunderschön gespielt von Evelyn Bochsler, stimmte das melancholische Thema an, das direkt unter die Haut geht und den ganzen Satz beherrscht. Die Melodie wird von der Gitarre aufgenommen und in der Folge abwechslungsweise zwischen Gitarre und einzelnen Instrumentengruppen hin und her gereicht und immer weiter gesponnen. Diese «Dialoge» waren musikalische Leckerbissen. Speziell die Bläser haben hier ein besonderes Lob verdient. 

Man spürte, dass die Kammermusik die geheime Liebe des Solisten, Daniel Erni aus Uerikon, ist. Toll, dass es dem SOM gelungen ist, für dieses Konzert einen Gitarristen mit internationaler Reputation aus der Region zu gewinnen! Daniel Erni versteht es, die Möglichkeiten der Gitarre voll auszuschöpfen und er brachte die unterschiedlichen Charakteristiken der drei Sätze – Fandango (eine Flamencogattung), Saeta (ein Klagegesang), Rondo (ein höfischer Tanz) – wundervoll zum Erklingen. 

Mit der Wahl der dritten Sinfonie von Schumann drückte das SOM die Freude aus, wieder öffentlich spielen zu dürfen. Schumann verliess im Jahr 1850 Dresden enttäuscht und zog nach Düsseldorf, wo er mit grosser Begeisterung als neuer Musikdirektor empfangen wurde. Schumann liess sich von der «Rheinischen Lebensfreude» anstecken und schrieb die Sinfonie in einem Freudentaumel in knapp zwei Monaten. Er schrieb sich seine Erleichterung von der Seele, seine ganze Kraft wieder unbeschwert in die Musik stecken zu können. Und genau das haben Kemal Akçag und sein Orchester an diesem Abend auch gemacht. 

Vom ersten Akkord an war man eingefangen in einer umwerfenden Klangfülle. Das war Energie nahe dem Siedepunkt, doch auch in den ruhigeren Passagen riss die Spannung nie ab. Die Bläser erbrachten Höchstleistungen mit ausgewogenen und warmen Klangfarben, die Streicher brillierten mit einem vollen, tragenden Streicherklang und nicht vergessen sei der Schlagzeuger, der mit seinen genau dosierten Einsätzen Struktur in die Klangvielfalt brachte. Das war Tonmalerei auf hohem Niveau. Die Kirche vibrierte förmlich unter diesen Freudenklängen. 

xeiro ag