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Das Schicksal der «Connie» ist wohl besiegelt

Seit dem frühen Morgen des 28. November 2019 ist die Wahrscheinlichkeit, dass die die Super Constellation «Star of Switzerland» jemals wieder fliegen könnte, nach der Meinung vieler Kenner der Materie bedeutend kleiner geworden.

  • Vor gut einem Monat wurden Fakten geschaffen: Der Rumpf der «Connie» auf dem Weg nach Deutschland in eine ungewisse Zukunft. Fotos: zvg

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Am 4. Juli 2019 beschloss eine grosse Mehrheit der an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins SCFA (Super Constellation Flyers Association) versammelten Associates – den stimmberechtigten Flugzeugeigentümern –, dem Antrag des Liquidators zu folgen. Dieser hatte vorgeschlagen, die Super Constellation «Star of Switzerland» für 1 US-Dollar «an zwei deutsche Investoren» zu verkaufen, unter der Bedingung, dass diese sämtliche Kosten bis zum Abtransport aller Flugzeugteile, inklusive Material, Reservemotoren, Traktor, Spezial-Maintenance-Fahrzeug und aller für das Fliegen gebrauchten Werkzeuge übernehmen würden. 

Eine um einen potenten Mäzen in der Schweiz gebildete Gruppe hatte trotz 10 Millionen Franken Startkapital mit ihrer Idee, die «Connie» in der Schweiz zu revidieren, keine Chance. Dem Liquidator war laut eigenen Worten wichtig, die Super Constellation Flyers Association schuldenfrei zu liquidieren. Die Zukunft des Flugzeugs war für den eigentlich eingefleischten Conniefan, Gründungsmitglied der SCFA, «nicht mein Problem».

Kein Interesse seitens Liquidator

Am Vormittag der eigentlichen Vertragsunterzeichnung vom 12. Juli wurde dem Liquidator nochmals schriftlich und mündlich ein Gegenvorschlag präsentiert, die Connie mithilfe des sehr engagierten schweizerischen Geldgebers zu überholen und flugfähig instandzustellen. Dazu hatte sich eine potente Crew als Vorstand für einen neuen Verein formiert, bestehend aus Mitgliedern des bisherigen Vorstandes, Vertretern des Mäzens, Mechanikern der Connie sowie dem für die Wiederherstellung der korrodierten Flügelteile vorgesehenen Spezialisten. Sie wollten die verlangte Verantwortung übernehmen, auch sollten alle Kosten wie gewünscht zulasten der neuen Trägerschaft gehen, was beim Liquidator aber kein Gehör mehr fand, sondern ignoriert wurde. Dies, obwohl der Geldgeber sogar eine Kampagne unter seinem Namen zugesagt hatte, um die fehlenden 5 Millionen Franken für die Vollendung des Projektes zu beschaffen. 

Der Vertrag mit den deutschen Investoren wurde trotz mehrmaligen Anfragen von Associates nie präsentiert, so dass bis heute nicht klar ist, was eigentlich mit den zukünftigen Eigentümern des Flugzeugs im Falle eines Scheiterns ihres Projektes ausgehandelt ist. Denn sie hatten mehrmals erklärt, für sie zähle definitiv nur das Fliegen, an einer Ausstellung der Connie seien sie mitnichten interessiert!

Die Flügel blieben in Zürich

Die neuen Eigentümer planten, bis Ende August alle Teile der Connie und alles Material aus dem Hangar in Zürich zu entfernen. Ein viel zu ambitiöses Ziel, das nur schon an der Tatsache scheiterte, dass für den vorgesehenen Transport das schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL eine Verantwortung übernahm – mit klaren Forderungen, wie dieser zu geschehen habe. Die «Billiglösung» der deutschen Investoren wurde abgelehnt, denn der Rumpf hätte beim kleinsten Schaden seine Lufttüchtigkeit für immer verloren. Das BAZL machte auch klar, dass der «Permit to fly» für die Connie nie ungültig gemacht wurde und bei Wiederherstellung erneut in Kraft treten würde. 

Somit hätte nur eine Schweizer Lösung mit der Registration HB-RSC eine Chance gehabt – also mit der finanziellen Mehrheit aus der Schweiz. Kein einziges Land weltweit wäre mehr bereit, einem solchen Oldtimer ein Zeugnis zum Fliegen mit Passagieren auszustellen. Und so zog sich der Abtransport um Wochen und Monate in die Länge, mit gewaltig steigenden Hangarkosten, da ja laut Vermieter nun nicht mehr ein Verein, sondern Investoren das Sagen hatten. Auch die Mechaniker-Verträge mussten Monat für Monat verlängert werden, denn nur lizenzierte Spezialisten der SCFA durften an der Connie arbeiten. Eine weitere monatelange Leidenszeit für alle Beteiligten war die Folge.

So verliess der Rumpf schlussendlich erst am 27. November 2019 um 22 Uhr die Werft in Zürich-Kloten – auf einem speziell konstruierten Tiefganganhänger mit Zugfahrzeug, welcher über drei Stunden brauchte, um das rund 32 Meter lange Transportgut nur schon auf die Autobahn Richtung Basel und Deutschland zu bringen. Knackpunkte waren die Ausfahrt aus dem Flughafenareal beim Restaurant Runway 34, der Kreisel in Opfikon und schliesslich die rückwärts auszuführende Einfahrt auf die Autobahn beim «Wilden Mann» in Kloten. Am 28. November um 4 Uhr morgens war das Schicksal unserer auch am Zürichsee sehr geliebten «Connie» mit der Verzollung in Rheinfelden wohl endgültig besiegelt. 

Denn es bestehen nach wie vor berechtigte Zweifel, dass es den deutschen Fliegerfreunden gelingen wird, den Oldtimer unter Überwachung jedes Arbeitsschrittes durch das BAZL und seiner Ingenieurfirma AeroFem vom dafür bestimmten Betrieb auf dem deutschen Flugfeld Bremgarten-Eschbach wieder flugtüchtig zu machen, mit einem schweizerischen Besitzer und schweizerischer Registration.

Nebenbei: Die Flügel befanden sich Anfang 2020 noch immer in Zürich, da zur Zeit noch gar nicht klar ist, wo sie repariert werden sollen, und ob das Transportfahrzeug vom BAZL genehmigt wird.

Warten auf Infos

Nun warten die Flugzeugfans und Tausende ehemaliger SCFA-Mitglieder gebannt und skeptisch auf weitere Informationen, welche auch für Aviatikjournalisten schwierig zu erhalten sind, da die neuen Besitzer sich nicht outen und weiterhin nicht informieren wollen. Der Liquidator äusserte sich bisher strikte nur zur Liquidation, und das leider sehr spärlich, da ja «die Zukunft der Connie nicht sein Problem» ist. Aber ein Problem vieler Fans, Mitglieder und auch der vielen Fliegerfreunde rund um den Zürichsee.

 

Connie-Captain aus Meilen

Der Meilemer Ernst Frei (73) ist ehemaliger Swissair-Pilot und mit über 250 Starts und 700 Flugstunden im Cockpit der Super Constellation der erfahrenste noch lizensierte aktive Pilot einer «Connie» weltweit. Der Connie-Operationsleiter war Associate Member der SCFA und Flugbetriebsleiter des Vereins, der im Jahr 2000 gegründet wurde und sich aktuell in Liquidation befindet. 

xeiro ag