Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Das Norea-Trio faszinierte mit Brahms.

Der 17. Saison des Zyklus «Vier Jahreszeiten» begann mit einem der bestbekannten Kammermusik-Werke des Meisters der Romantik: gross, intensiv, klangfreudig und genial strukturiert.

  • Hyunjong Reents-Kang, Petya Mihneva Falsig und Eva Lüthi (v.l.) sind das Norea-Trio. Foto: zvg

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Johannes Brahms schuf vom Klaviertrio H-Dur op. 8 zwei zeitlich weit auseinanderliegende Fassungen (1854 und 1889). Wie heute üblich, nahmen sich die drei Frauen Hyunjong Reents-Kang (Violine), Eva Lüthi (Violoncello) und Petya Mihneva Falsig (Klavier) der überarbeiteten Spätfassung des 8. opus an. Den Trio-Namen Norea haben sie der Gnostik entnommen, welche annimmt, Norea sei die letzte Tochter von Adam und Eva. Norea wird u.a. mit «Weisheit», aramäisch «die Feurige», übersetzt.

Den Brahms'schen Geist getroffen

Die Pianistin (mit kräftigen und sehr agilen Fingern) bezeugte schon in ihrer Exposition Stilsicherheit in gepflegter Klangentfaltung, der Violoncellistin vornehm Raum gebend, das Hauptthema unaufdringlich schlank durch den Kirchenraum mäandern lassend. Brahms'sche vollgriffige Fülligkeit wurde grosszügig ausgelebt, die kirchliche Überakustik allerdings teilweise überfordend. Der intensive Ton der Geigerin machte sich da besonders gut, die perfekte Intonation der Streicherinnen steigerte den Genuss zusätzlich. Auch den typisch Brahms'schen Geist des Scherzo trafen die Künstlerinnen gekonnt.

Im wundervollen Adagio überzeugte das treffende Nachleben der Modulationen ebenso wie die feine Anschlagskunst der Pianistin.

Im finalen Allegro boten die Musikerinnen viel Verve und – gebändigten – Einsatz, das «Brahms-Erlebnis» vollends treffend.  

Der «volkstümliche» Brahms

Das Klaviertrio c-moll op. 10 entstand 1886 am Thunersee, zeugt aber vorwiegend von österreichischer und ungarischer Folklore. Der Hanseate Brahms, frisch in Wien niedergelassen, lässt darin nebst Walzer, Ländler, Volksliedgut auch Csárdas anklingen, dass es eine Freude ist!

Dem Gestus des homophon gehaltenen Einganges huldigten die drei Frauen treffend klangintensiv. Perfekte Unisoni der Streicherinnen  zu unaufdringlichem Klavierpart gefielen ganz besonders. Das Presto assai wurde – wohl in Rücksicht auf die Akustik – relativ ruhig angegangen, die Passagen mit Dämpfer von Violine und Violoncello erhielten so faszinierende Ruhe mit feinen Pizzikati. «Das ist Brahms!» durchfuhr es einen: Der tolle Mix von Kantilene und Faktur fasziniert immer wieder.

Die zum Ende von Mentorin Annette Bartholdy überreichten Rosen waren mehr als verdient, reichlich beglückt verliess man die Kirche und trat in den warmen Abend.

Man darf sich freuen auf das am 23. Januar agesetzte «Winter»-Konzert: Schubert-Lieder stehen an. Der Tenor Ilker Arcayürek wird dann vom Pianisten Simon Lepper begleitet.

xeiro ag