Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Braucht Meilen eine Tagesschule?

Unter dem Titel «Sind Kinder Staatsaufgabe?» fand am vergangenen Samstag ein weiterer FDP-Roundtable statt. Im Foyer des «Löwen» referierten Schulpräsidentin Cordula Kaiss (FDP) und Kantonsrätin Monika Wicki (SP).

  • Die Meilemer Schulpräsidentin Cordula Kaiss und SP-Kantonsrätin Monika Wicki diskutierten engagiert. Foto: MAZ

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Behandelt wurde die Frage, ob eine Tagesschule nötig ist, damit Familien Kinder und Beruf unter einen Hut bringen können. Monika Wicki kennt zwei Perspektiven. Einerseits wertet sie in ihrem beruflichen Alltag an der Hochschule für Heilpädagogik viele Studien aus und betrachtet die Frage wissenschaftlich. Als SP-Kantonsrätin unterstützt sie Tagesschulen politisch. 

Kinder sind keine Privatsache mehr

Sie stellte fest, dass es im Kanton grosse Unterschiede gibt. Während die Stadt Zürich vermehrt auf Tagesstrukturen und Tagesschulen setzt, gibt es Gemeinden, in denen diese Strukturen sehr wenig ausgebaut sind – noch. «Kinder zu bekommen ist keine reine Privatsache mehr. Denn die Kinderbetreuung wird immer mehr zur Staatsaufgabe», sagte sie. Tagesstrukturen sollen die Erwerbstätigkeit der Eltern erleichtern und Kindern eine gesellschaftliche und bildungsbezogene Teilhabe ermöglichen. 

Tagesstrukturen können unterschiedlich aussehen. Es gibt einerseits die gebundene Tagesstruktur in Form einer Tagesschule (alle Angebote aus einer Hand, zentral organisiert). Die Schule und die Betreuungsangebote können aber auch komplett getrennt werden. Meilen hat sich für die Mischform entschieden: Gewisse Betreuungsangebote sind zentral und öffentlich organisiert, andere dezentral und privat, man spricht hier von der teilgebundenen Tagesstruktur.

Studien zeigen, dass die Organisation für die Eltern einfacher wird, je gebundener die Strukturen sind. «Ungebundene Tagesstrukturen sind zudem besonders für bildungsferne Familien wenig interessant, weil die Angebote nicht auf sie abgestimmt sind», sagte Monika Wicki. Die Forderung der SP ist darum klar: «Es müssen flächendeckend Tagesschulmodelle eingeführt werden. Eine Betreuung bis 18 Uhr soll kostenlos gewährleistet sein. Wir fordern Bildung für alle, nicht nur für wenige, auch in Tagesschulen.»

Beliebtes Angebot des Vereins Fee

Bevor Schuldpräsidentin Cordula Kaiss aufzeigte, wie die Schule Meilen diesbezüglich organisiert ist, stellte sie fest, dass man sich in vielen Punkten einig sei. Grösste Diskrepanz: die Finanzierung. «Die FDP ist klar der Meinung, dass die Angebote nicht flächendeckend kostenlos sein sollen, sondern eine Beteiligung der Eltern nötig ist.»

Mit dem 1997 gegründeten Verein Fee (Familienergänzende Einrichtungen für Kinder) sei man in Meilen bestens eingestellt und organisiert. «Zwischen dem Verein und der Gemeinde besteht eine Leistungsvereinbarung. Neben privaten Krippen und Horten stellt der Verein Fee Krippenplätze, Tagesfamilien, Horte und die Plätze am Mittagstisch zur Verfügung. Die Vernetzung zwischen Verein und Gemeinde funktioniert seit vielen Jahren sehr gut», sagt Cordula Kaiss. Daraus resultiere faktisch das Angebot einer Tagesschule. Denn der Verein Fee bietet Module, dank denen auch die schulfreien Tage oder die Schulferien abgedeckt werden können. 

Das Angebot ist beliebt. «Heute werden in der Schule Meilen pro Woche ungefähr 1500 Kinder über den Mittag betreut; vom Betreuungsangebot am Nachmittag machen rund halb so viele Kinder Gebrauch.» Wichtig seien weiterhin die Tagesfamilien, weil nicht jedes Kind dafür geschaffen sei, den ganzen Tag in grossen Strukturen in der Schule betreut zu werden, wo es nur wenige Rückzugsorte gibt. 

Knackpunkt Finanzierung

Neben Cordula Kaiss sassen auch die Gemeinderäte Heini Bossert (FDP) und Hanspeter Göldi (SP) am runden Tisch. Als Arbeitgeber begrüsse er eine Vereinheitlichung im Kanton, sagte Bossert. Es sei schwierig, wenn die Organisation und das Betreuungsangebot von Gemeinde zu Gemeinde anders sind. Er findet: «Es ist Aufgabe des Staates, Betreuungsangebote anzubieten, aber nicht gratis. Wer es vermag, soll auch etwas zahlen.» 

Sozialvorstand Hanspeter Göldi sagte, die Strukturen in Meilen seien gut, reichten aber noch nicht aus. «Ich finde, wir brauchen die gebundene Tagesschule in Meilen, weil dann alles aus einer Hand kommt. Die Kinder sind immer in den gleichen Gruppen betreut, was mehr Ruhe in den Tag bringt. Auch die Finanzierung ist in der gebundenen Tagesschule anders geregelt, was bildungsfernen Familien Vorteile bringt.» 

Schulpräsidentin Cordula Kaiss ist aber überzeugt, dass Meilen mit dem richtigen Modell fährt: «Es gibt keinen Grund, das gut funktionierende bestehende Modell zu ändern, wenn unsere Angebote schon jetzt ähnlich einer Tagesschule organisiert sind. Es gibt jedoch Optimierungsmöglichkeiten, und diese werden von beiden Organisationen gemeinsam weiterverfolgt.» 

Die Gäste und Referenten diskutierten intensiv und hätten wohl noch bis weit in den Nachmittag um den Tisch sitzen können. Das wichtige Thema fand indes leider etwas wenig Publikum – hier war offenbar die Konkurrenz am sonnigen Samstag durch Chilbi, Viehschau, Spätsommersonne und Wochenendeinkauf etwas zu gross. 

Detaillierte Informationen zu den Betreuungsangeboten in Meilen sind online unter www.verein-fee.ch ersichtlich. 

xeiro ag