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Bleiben Sie am Bettag im Bett?

Mit dem Bett hat der Bettag eigentlich nichts zu tun, genausowenig wie der Busstag mit dem Bus oder der Danktag mit dem Tank ihres Autos. Trotzdem werden viele am Bettag einfach etwas länger im Bett bleiben und dann vielleicht eine kleine Ausfahrt machen.

  • Busse verändert das Verhältnis zu den Mitmenschen – das wohl bekannteste Beispiel, Willy Brandts Kniefall von Warschau, jährt sich 2020 zum 50. Mal  Bild: dpa/ zvg Ref. Kirche

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Was sollte man auch sonst tun am Bettag? Gehört ein Bet-tag nicht eher in die Vergangenheit als ins Jahr 2019? Wie kann jemand, der sonst kaum jemals länger als fünf Minuten betet (und das sind wohl die meisten von uns) auf einmal dem Gebet einen ganzen Tag widmen? Das ist doch eine massive Überforderung, da bleibt man lieber im Bett!

Oder wird es einfacher, wenn wir den ganzen Titel dieses Tages zu Hilfe nehmen: Dank-, Buss- und Bettag?

Das Wort «danke» ist in unserer Sprache zum Glück noch immer sehr geläufig. Danke sagen wird uns schon als kleines Kind beigebracht. Es gibt viele Möglichkeiten, Dank auszusprechen: Die schnelle Handbewegung des Autofahrers, der sich für den Vortritt bedankt. Das formelle «Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen» am Ende eines Briefes. Die mit einem erleichterten Seufzer ausgesprochene Wendung «Gott sei Dank» nach einem glimpflich verlaufenen kritischen Moment. Oder einfach «danke». Wenn uns jemand die Türe öffnet. Für das Geburtstagsgeschenk. Vielleicht auch einmal für den Sonnenschein. Und – seltener – wenn uns jemand die Augen öffnet über uns selbst.

Das bringt mich zum nächsten Stichwort: Busse. Manche verstehen unter Busse eine Strafe, die uns für eine Übertretung aufgebrummt wird. Das stimmt jedoch nur für die Busse im juristischen Sinn. Beim Busstag ist sie nicht eine Ersatzleistung für etwas Versäumtes. Auch nicht eine Strafe, die man sich selber auferlegt wie die Mönche im Mittelalter, die sich manchmal selbst mit der Geissel schlugen wegen ihrer ungenügenden Frömmigkeit. Das wäre viel zu äusserlich. Busse hat mit geöffneten Augen zu tun. Mit dem Blick auf den inneren Menschen. Der kann zwar manchmal auch schmerzhaft sein wie eine Geissel, aber er ist viel heilsamer. 

Im Gegensatz zum Dank kommt «Busse» im ursprünglichen Sinn kaum mehr vor in unserer Alltagssprache. Allenfalls wird das biblische Wort zitiert, dieser oder jener müsse «Busse tun in Sack und Asche». Meist ist damit nur gemeint, er solle sich schämen. Dabei haben Sack und Asche durchaus einen Zusammenhang mit dem ursprünglichen Sinn von Busse. 

Wenn man einen Sack anzieht und sich Asche auf das Haupt streut, sieht man ziemlich kläglich aus. Man legt allen Schmuck und alle äussere Zierde ab. Ein Selfie ohne Photoshop, Make-up und Eiffelturm im Hintergrund. Der Büsser zeigt sich den Menschen so, wie er unter der blendenden Fassade ist: Einfach, oft arm an Liebe, vielleicht in gewissen Beziehungen sogar kläglich. Sich den Spiegel so vor die Seele zu halten, hat aber nicht das Ziel, sich klein und mickrig zu machen. Sondern es soll mich ins rechte Verhältnis setzen. Zu meinen Mitmenschen und zu Gott. Echte Busse wirkt nach aussen, verharrt nicht bei der Innenschau, sondern verändert den Umgang mit den anderen Menschen. Nichts vorspielen zu müssen ist ungeheuer befreiend! Eine wohltuende Gegenbewegung zum pausenlosen «Selfmarketing».

Und das Gebet? Wenn man Gott einen Platz als Gegenüber einräumt, dann ist das schon Gebet, auch ohne schöne Worte. Ich wage zu behaupten, dass wahre Selbsterkenntnis am ehesten gelingt im Angesicht Gottes. Wer ganz allein ist, wenn er radikal ehrlich ist mit sich selbst, steht in der Gefahr, entweder zu verzweifeln, oder etwas zu beschönigen. Doch in der Gegenwart des Gottes der Liebe, der sein Ja zu mir unerschütterlich beibehält, kann ich es mir leisten, radikal ehrlich zu sein. Dankbar anzuerkennen was gut ist. Kritisch und offen anzuschauen, was nicht gut ist. 

Um diese Haltung der Ehrlichkeit, die weder beschönigt noch klein macht, geht es am Dank-, Buss- und Bettag. Sie zu lernen brauchen wir vermutlich mehr als fünf Minuten. Einen ganzen Tag. Mindestens.

Einen wertvollen Bettag wünscht Ihnen

 

xeiro ag