Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Blei in den Bäumen, im Boden und im Bach

Die Böden rund um die ehemalige Jagdschiessanlage Büelen sind stark mit Blei und anderen Umweltgiften belastet und müssen saniert werden. Am Samstag konnte die Bevölkerung den Stand der Arbeiten in Augenschein nehmen.

  • Auch der Gemeinderat liess sich über den Stand der Arbeiten informieren, rechts Landschaftsarchitekt Michiel Hartman. Foto: MAZ

  • Das Gebiet auf der Büelen muss saniert werden. Im Vordergrund der Dorfbach mit der gerodeten Böschung. Foto: zvg

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Eike Kreikenbaum, Projektleiter der auf Altlasten spezialisierten magma AG aus Zürich, nahm die Besucherinnen und Besucher auf dem Areal zwischen Schiessstand Büelen und dem Dorfbachtobel in Empfang. Festes Schuhwerk war auf dem von den heftigen Regenfällen der letzten Tage und Wochen noch feuchten Boden gefragt; der zuständige Gemeinderat Alain Chervet hatte für die Begehung sogar auf seine üblichen Lederslippers verzichtet und die Wanderschuhe hervorgeholt. Ein mächtiger Bagger, weitere Baumaschinen und diverse hoch aufgeschichtete Erdhaufen sowie eine grossflächig gerodete Fläche entlang des Dorfbachtobels – der Abschnitt ist noch bis im Herbst für Fussgänger gesperrt – zeugen vom Umfang der Aufgabe.

Sanierungsparameter von 11'500 Quadretmetern

Die Gemeinde Meilen hatte in den Jahren 2012 bis 2018 auf Aufforderung des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) das Gebiet östlich des 300-m-Schiessstands Büelen untersuchen lassen und dabei festgestellt, dass der Boden stark mit gesundheitsschädigendem Blei und dem krebserregenden PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) belastet ist.

Ersteres stammt aus dem Bleischrot, mit dem fast vierzig Jahre lang geschossen wurde, letzteres aus den für manche Übungen verwendeten «Tontauben». Die meist orangefarbenen oder gelben Tontaubensplitter sind gut zu erkennen, und auch die rund 2,5 mm grossen Bleikügelchen kann man in jeder Handvoll Erde finden, die man vom Boden aufhebt. Die Kügelchen sind bis in 30 Zentimeter Tiefe eingedrungen. Insgesamt werden auf dem gut 11'500 Quadratmeter grossen Sanierungsperimeter mehrere Tonnen Blei vermutet, «pro Schiesstag werden bei einer Tontaubenanlage bis zu 50 Kilogramm Schrot verschossen», sagte Projektleiter Eike Kreikenbaum. 

Schrot, Tontauben und Löschschaum

Meilen ist kein einfacher Standort für die Sanierung. Zum einen müssen nicht nur Kies, Sand, Feinmaterial, Holz, Blätter und Wurzeln sauber getrennt werden, sondern auch Bleischrot und PAK-haltige Tontaubenfragmente. Dies geschieht im Rahmen verschiedener spezieller Trennverfahren in der Bodenwäsche. Danach werden die Substanzen so weit wie möglich rezykliert; zuständig für die gesamten Arbeiten ist die auf solche Prozesse spezialisierte Firma Toggenburger AG. 

Zum anderen ist auch der Dorfbach betroffen, denn im Bachbett sind ebenfalls Bleischrot und Tontaubensplitter zu finden, die schonend durch einen Saugbagger abgesaugt werden müssen. Sogar die Wiese jenseits des Bachs ist teilweise stark mit Blei belastet und dürfte im jetzigen Zustand nicht als Weideland genutzt werden. Eingewachsenes, von Holz umschlossenes Blei fand sich überdies zuhauf in der dem Schiessstand zugewandten Seite der Bäume im Bachtobel. Sie wurden bereits Anfang Februar gefällt und mit Hilfe eines Spezialhelikopters abtransportiert. Die Rodung war unumgänglich, um den belasteten Boden ausheben zu können. Last but not least muss man sich auch um die schädlichen PFAS-Rückstände von Löschschaum kümmern (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen), denn die Feuerwehr Meilen hatte früher Übungen auf dem Areal durchgeführt.

Neophytenbekämpfung an der Böschung

Als unproblematisch erwies sich erfreulicherweise die Tatsache, dass das Gelände in den Jahrzehnten vor der Eröffnung der Anlage 1981 (siehe Box) als Abfalldeponie genutzt wurde. Die ehemalige Deponie «Müliholz» wurde nach ihrer Aufhebung Ende der Siebzigerjahre mit mindestens 60 Zentimetern Aushub und Schlacke überdeckt und soll während der laufenden Sanierung möglichst nicht angetastet werden. Allerdings befanden sich auf dem Gelände noch diverse Baustoffe, Betonteile, Rohre und Dolendeckel – diese wurden fachgerecht entsorgt.

Im Zuge der Altlastensanierung findet auch eine grossflächige Neophytenbekämpfung entlang der Böschungskante zum Dorfbach statt. Den Besuchern wurden zwei mit schwarzer Folie abgedeckte Bereiche gezeigt, insgesamt rund 500 Quadratmeter. Hier wird dem Asiatischen Staudenknöterich der Kampf angesagt, der hartnäckige Neophyt vermehrt sich unterirdisch durch Rhizome. Die Fläche soll nach Abschluss der Arbeiten so rasch wie möglich wieder begrünt werden, sagte Michiel Hartman von Hartman Landschaftsarchitekten, am Ende soll die Wiederaufforstung mit einem artenreichen Waldbestand stehen.

Damit die steile Böschung jetzt nicht abrutscht, wurden möglichst viele der grösseren Wurzelstrünke stehen gelassen. Angepflanzt werden Büsche und Weiden, schwere Bäume sind nicht mehr vorgesehen. Im Bereich der ehemaligen Anlage sind Stein- und Totholzhaufen geplant. Für die Vögel und die Fledermäuse wurden rund um die Baustelle im Wald Nistkasten und Kasten als Unterschlupfe aufgehängt.

Transparenz muss sein

Finanziell ist die Altlastensanierung aufwändig. Von den geschätzten 5 Millionen Franken Gesamtkosten wird der Grossteil vom Bund und, gemäss Umweltschutzgesetz, vom Kanton Zürich übernommen. Die Gemeinde musste den Betrag vorfinanzieren, wird aber schliesslich nur rund 275'000.- Franken bezahlen. «Damit Meilen das Geld am Ende auch wieder einfordern kann, ist Transparenz bei der Entsorgung zentral», erklärte Eike Kreikenbaum. Deshalb werden alle Ladungen, die abgeführt werden, überwacht und protokolliert. Die Erfolgskontrollen erfolgen von Hand mit dem Sieb, dabei findet ein eigentliches «Bleiwaschen» statt. Nicht mehr als zwei Kügelchen pro Kessel dürfen es nach der Sanierung noch sein. Insgesamt werden es wohl 4000 Kubikmeter bzw. 8000 Tonnen belasteter Aushub sein, die entsorgt werden müssen, also rund 400 bis 500 Lastwagenladungen. Aktuell sind rund 1500 Tonnen bereits weg, und es besteht die Hoffnung, dass sowohl Budget als auch Tonnagen nicht ausgereizt werden müssen.

Kompliziertes Projekt

Insgesamt machten knapp 50 Besucherinnen und Besucher von der Möglichkeit Gebrauch, sich über die Sanierungsarbeiten zu informieren und im Anschluss an die schweisstreibende Begehung am Schatten die offerierte Wurst oder ein Glace zu verspeisen. Auch der Gemeinderat machte der Büelen fast in corpore seine Aufwartung und informierte sich über ein auf den ersten Blick von der Ausgangslage her einfach erscheinendes Projekt, das in Tat und Wahrheit aber kompliziert ist und viel Expertenwissen erfordert.

 

Üben für die Jagd

Der Bund schreibt Jägern vor, periodische Schiessübungen zu absolvieren, die auf sogenannten Jagdschiessanlagen durchgeführt werden. Das erste öffentliche Jagdschiessen auf der Meilemer Jagdschiessanlage Büelen fand vor bald 40 Jahren im Sommer 1981 statt; geschossen wurde unter anderem auf Tontauben und auf künstliche Rennhasen als bewegliche Ziele. Die nun in die Jahre gekommene Meilemer Anlage war eine von dreien im Kanton, sie wurde Ende 2020 stillgelegt, da Zürich eine neue, zentrale Anlage in Bülach realisiert. Die nahegelegene Schiessanlage Büelen, die im Eigentum der Gemeinde steht und den Schiessvereinen zur Verfügung gestellt wird, ist indes von der Schliessung nicht betroffen und ist weiterhin in Betrieb.

xeiro ag